Menschen

Lieber Kleve als Cannes

09/2010


Ariane Raspe.

Goldene Palme? Einen Oscar? Och nö. Ariane Raspe spielt auf den Bühnen der Provinz und auch mal im Pfarrsaal oder im Hotel. Sie tourt als Kobold Pumuckl durch Deutschland und übt auf der Park­bank den Text von "Tartuffe". Eine Geschichte von Glück und Zufriedenheit - jenseits des großen Rummels um Stars und Sternchen

Birgit Timmerarens

 

 

Sie war Schnappi, das Krokodil. Zweihundert Kinder rannten auf sie zu in diesem Möbelcenter. Da spürte sie, wie Ruhm sich anfühlt. Alle fassten sie an. Um sie herum drängte Schaumstoff. Sie sah kaum etwas durch das winzige Guckloch. Sie schwitzte, beugte sich unter dem Gewicht. Die Kinder griffen nicht nach ihr. Sie griffen nach Schnappi. Später fuhr sie unerkannt mit der S-Bahn nach Hause. Und war froh darüber.
Ariane Raspe ist Schauspielerin. Sie wirkt wie 23, ist laut Lebenslauf aber 28 Jahre alt. "Stimmt gar nicht", sagt sie. "Ich bin fünf Jahre älter." Eine Frau wie Apfelsaft. Es ist sieben Uhr morgens. In der Küche duftet es nach aufgebackenen Brötchen. Sie bereitet den Proviant für den Tag. Im Flur stehen ein Kosmetikkoffer und ein Pappkarton.
Sie erzählt von Rollen, die andere verschweigen würden. Bei Fernsehrichterin Barbara Salesch prügelten sich ein Soldat und ein Künstler um sie. Schließlich walzte der Soldat die Skulpturen des Künstlers mit einem Panzer nieder. Sie hatte die Folge auf ihrem Demoband. Ihre Agentin riet ihr, sie zu löschen. Einmal Salesch, und sie könnte sich dreimal Goethe, Dürrenmatt oder Borchert leisten. Das erzählt Ariane Raspe nicht. Lieber erzählt sie von Absagen und Zumutungen. Ihre Erfolge sind zu persönlich. Sie könnten verblassen unter den grellen Strahlern der Superlative. Sie spielt auf kleinen Bühnen in Kleve oder Lichtenau. Sie spielt auch in der Turnhalle der Grundschule in Hürth, im Hotel in Höxter oder im Pfarrsaal von Brilon. In Brilon, im Sauerland, wuchs sie auf.

 

<  1  2  3  4  > weiter

 

 


Schreiben Sie uns einen Leserbrief

 

 









Netzwerk

Die Magazine chrismon und chrismon plus sowie das Internetportal chrismon.de werden publiziert von: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Frankfurt. Die Hansisches Druck- und Verlaghaus GmbH gehört zum Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH, Frankfurt. Weitere Informationen finden Sie unter:

chrismon [Logo]

© 1996-2009 |

Wenn Sie diesen Text lesen können, dann beherrscht Ihr Browser den Web-Standard Cascading Style Sheets (CSS) nicht oder nur mangelhaft. Wir verwenden CSS zur Formatierung der Seiten, bitte wundern Sie sich daher nicht, wenn mangels CSS die Darstellung nun etwas seltsam erscheint.

Quelle: chrismon.de
URL: http://www.chrismon.de/Menschen.php
[Stand: Dienstag, 31. August 2010 14:07 Uhr]

© 2009 chrismon.de. Alle Rechte vorbehalten.