Buchtipps

Marçal Aquino: Flieh. Und nimm die Dame mit



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Lavínia heißt die geheimnisvolle Schöne, in die sich der Fotograf Cauby verliebt. Sex und Mord sind die Zugaben. Eine brasilianische Goldgräberstadt bildet die brutale Welt, in der die Liebe beginnt. Das Buch von Marçal Aquino erscheint in der ­Reihe "Weltlese" , Ilija Trojanow ist der Herausgeber dieser kleinen Leseperlen.

Büchergilde Gutenberg, 17,90 Euro


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Christian Schmid-Egger, Caroline Krüll: Networking mit Xing, Facebook & Co.



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Ein winziger, aber für Anfänger und Anfängerinnen nützlicher Ratgeber aus der Reihe Beck kompakt. Einer Vorstellung der wichtigsten "social networks" im deutschsprachigen und europäischen Raum folgt die Gebrauchsanweisung für Xing, das wichtigste virtuelle Netzwerk für Berufstätige in Deutschland.Wie formuliere ich mein Profil in den Rubriken "Ich suche" und "Ich biete" so, dass ich tatsächlich über die Xing-interne Suchmaschine gefunden werde bzw. dass ich die richtigen Menschen auf mich aufmerksam mache? Was taugt eine Emfpehlung von jemandem mit 200 Kontakten und was von einem mit 6000 Kontakten? Wie suche ich einen neuen Job, wenn ich nicht will, dass mein derzeitiger Chef das sieht?  Im dritten Teil dann gibt das Autorengespann Tipps fürs Netzwerken in der realen Welt. Alles nicht wirklich neu, aber für Neueinsteiger hilfreich.

cho

Verlag C. H. Beck, München 2009, 127 Seiten, 6,90 Euro


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Erich Loest: Wäschekorb



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Selten was gelesen, was Leser und Leserin so frei entscheiden lässt, was sie von diesen Personen halten sollen. Vielleicht liegt es an der leisen Ironie, mit der hier Erich Loest erzählt. Loest ist breit bekannt geworden spätestens mit seinem spannenden Roman "Nikolaikirche" über die letzten Monate der DDR. In diesem schmalen Band nun erzählt Loest vom alten, nur mäßig erfolgreichen Leipziger Schriftsteller Kielmann, der wiederum vom  Leben des Kommunisten Paul Böttcher erzählen will. Kielmann ist erfunden, Paul Böttcher gab es - ein Kommunist, der er als Hauptfeind zu Beginn des nationalsozialistischen Siegeszugs nicht die SPD sah, sondern die Nazis, deshalb zur KPD-Abspaltung KPD-Opposition gegangen war, weshalb er trotz Spionagetätigkeit aus der Emigration heraus nach dem Krieg in sowjetischen Gulags interniert war und auch später in der DDR nie wirklich rehabilitiert worden war. Wir lesen also die heroische und trotzdem politisch erfolglose Geschichte des Paul Böttcher, recherchiert von einem Schriftsteller, der sich im Behaglichen eingerichtet hat, letztlich immer angepasst hat. Und wir lesen von des Schriftstellers Frau Suse, die bei der PDS mitmischt, weil sie halt eine Vereinsmeierin ist und sich irgendwo aufgehoben fühlen möchte. Eine Erzählung über höchst gemischte Motivlagen also, mäandernd zwischen Alltäglichkeit (schon der Titel "Wäschekorb"!) und Polithistorie.

cho

Steidl Verlag, Göttingen 2009, 109 Seiten, 9,90 Euro


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Deutsche Stiftung Denkmalschutz (hrsg.): Frankfurt am Main



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Huch, was hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Frankfurt zu tun, dieser allgemein als hässlich geltenden Stadt? Nun, erstens gibt es eine Menge historischer Bauten in Frankfurt, wenn auch nicht mehr die Fachwerkinnenstadt, und zweitens denkt die Stiftung "Denkmäler" viel umfassender als die meisten bloß nostalgisch gestimmten Zeitgenossen. Denkmäler sind besonders gelungene Beispiele für bestimmte Entwicklungen. Das sind in Frankfurt zum Beispiel die Siedlungen der Klassischen Moderne von Ernst May, aber künftig sicher auch so manches Hochhaus. Text und Konzeption des Bandes stammen von Angela Pfotenhauser, die sich selbst als leidenschaftliche Wahl-Frankfurterin bezeichnet, die Fotos von Uwe Dettmar und Elmar Lixenfeld - und diese Fotos sind die eigentliche Überraschung, denn die beiden Fotografen einen Weg - oder besser einen Blick - gefunden zwischen den beiden üblichen Extremen: der idyllischen Postkartenfotografie und der an grafischen Strukturen interessierten Architekturfotografie. Es ist ein dokumentarischer Blick, der den LeserInnen nützlich sein will.

cho

Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2009,
144 Seiten, 19,80 Euro (Festeinband), 14,80 Euro (Paperback)


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Projektgruppe JugendArt: KanakCultures - Kultur und Kreativität junger Migrantinnen



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Jugendliche aus Einwandererfamilien sind abgestumpft, unmotiviert, perspektivlos und noch schlimmer: kriminell. Problemkinder also. Sagt man, liest man, denkt man. Einen ganz anderen Eindruck haben Studierende des Fachbereichs Soziale Arbeit der FH Esslingen unter der Leitung von Professor Kurt Möller gewonnen. Na gut: Sie haben auch extra gesucht, nach der "kulturellen Produktion" von "Jugendlichen mit Migrationshintergrund". Jetzt sind ihre Recherchen als Buch erschienen. Das Buch besteht aus zwei kurzen Einführungsessays und ansonsten aus vielen, vielen Interviews. Mit dem kurdischstämmigen Freestyle-Walker Nesat (14) etwa, mit der Ballett tanzenden halb-japanischen Nathalie (14) oder mit dem Rapper Ari (25) aus Kosovo-Albanien. Die Interviews sind kaum bearbeitet, eher Protokolle, die Fragen manchmal ein wenig schwach, aber man erfährt doch einiges. Sehr interessant zum Beispiel das Gespräch mit Cevat (33), einem Deutschen türkischer Abstammung, Mitbegründer von Kanak Attak Tübingen und Geschäftsführer einer IT-Firma. Der hat nichts gegen Integration, wohl aber was gegen die, wie er findet, eingeforderte Assimilation. Dass seine Mutter, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt und immer Steuern gezahlt sowie die schwäbische Kehrwoche gemacht hat, immer noch kein Deutsch kann, habe bislang niemanden interessiert. Jetzt ist sie arbeitslos, und das Arbeitsamt stellt sie vor die Alternative, dass sie entweder Deutsch lernt oder ihr die Sozialleistungen gestrichen werden.

cho

Archiv der Jugendkulturen Verlag, Berlin 2010, 204 Seiten, 68 Abbildungen, 15 Euro


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Christoph Türcke: Jesu Traum. Psychoanalyse des Neuen Testaments.



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Ein guter Philosoph kann einen schwierigen Sachverhalt auch allgemeinverständlich erklären. Christoph Türcke, Philosophieprofessor in Leipzig und Träger des Sigmund-Freud-Kulturpreises, ist gut. Im ersten Teil seiner "Psychoanalyse des Neuen Testaments" fasst er Erkenntnisse der neutestamentlichen Forschung im 20. Jahrhundert verständlich - und kritisch - zusammen. Er erklärt zudem, was der Religionsphilosoph Rudolf Otto mit dem Heiligen meinte, und wie der Psychoanalytiker Sigmund Freud Traumata erklärte. Dann deutet er die Auferstehungsvision des Petrus als eine Art "unfassbare Kehrtwende" zu dem hin, den er zuvor während seiner Passion schmählich im Stich gelassen hatte. "Vor dem mir graut - zu dem michs drängt" hatte Rudolf Otto das Heilige als faszinierenden Schrecken beschrieben. So weit liest sich das Buch sehr anregend, man muss ja Türcke nicht in jedem Punkt zustimmen.
Doch ein guter Philosoph ist noch lange kein guter Bibelausleger. Im zweiten Teil seines Buches wendet sich Türcke dem historischen Jesus zu. Er will dem Diktum des Neutestamentlers Ernst Käsemann folgen: Aus der ältesten, jesuanischen Überlieferungsschicht des Neuen Testaments könne nur das stammen, "was weder aus dem Judentum abgeleitet noch der Urchristenheit zugeschrieben werden kann". Doch Türcke hält sich nicht an diesen Vorsatz.

"Dies ist mein geliebter Sohn" sagt - laut Markusevangelium - eine Himmelsstimme bei Jesu Taufe. Historisch oder nachträglich eingefügt, fragen Neutestamentler. Nach den Käsemannkriterien müsste man gerade dieses Zitat der Urchristenheit zuschreiben (demnach hätten es spätere Christen also nachträglich in die Taufszene eingetragen). Schließlich wiederholt sich diese Wendung doch im Markusevangelium an drei herausragenden Stellen: bei der Taufe (Markus 1,11), der Verklärung Jesu (Markus 9,7) und beim Christusbekenntnis des heidnischen Hauptmanns unterm Kreuz (Markus 15,39). Das Bekenntnis des Gottessohnes ist Gliederungsprinzip des Markusevangeliums, daher darf diese Himmelsstimme getrost als klassisches Beispiel für einen späteren Gemeindezusatz gelten. Türcke verschweigt solche Argumente, hält die Stimme für historisch und schreibt sie Johannes dem Täufer zu. Johannes hätte zu Jesus gesagt: "Du bist mein geliebter Sohn". Und Johannes hätte nach der Taufe in die Wüste getrieben - nicht der Geist, wie es in Markus 1,12 heißt. Aus Sicht historischer Forschung sind solche Überlegungen reine Spekulation, ohne jeden Anhalt am Text.  Doch Türcke unterwirft dieser frei erfundenen Episode aus Jesu Leben seine gesamte Jesusdeutung: Johannes sei für Jesus Vaterersatz gewesen, habe ihn dann aber abgewiesen - und Jesus habe diesen Schock dann in Gleichnissen wie dem vom verlorenen Sohn verarbeitet.
Der erste Teil des Buches ist sehr lesenswert, der zweite fast schon peinlich. Aber so ist es nun einmal. Ein guter Philosoph ist noch lange kein guter Exeget.

buz

Zu Klampen Verlag in Springe, 2009. 158 Seiten, 14,80 Euro

 


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Alix, Anton und die anderen



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Oh, zwei Spalten auf jeder Seite, und jede erzählt eine andere Geschichte. Doch wenn man sich erst mal entschieden hat, wie man den neuen Roman von Katharina Hacker lesen will, dann folgt man einer kleinen Truppe von Freunden, alle um die vierzig, durch einen Berliner Winter. Ein nachdenkliches Buch, und es wird Fort­setzungen geben, bald.

Suhrkamp, 19,80 Euro


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Günter Burkart (Hrsg.): Zukunft der Familie. Prognosen und Szenarien



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Wenn Soziologen und Soziologinnen über die Zukunft nachdenken, dann werfen sie weder Horrorszenarien an die Wand noch Idyllen, für so was sind sie einfach zu wissenschaftlich geprägt. Aber sie verlängern auch nicht nur aktuelle Trends in die Zukunft, sondern sie bedenken zum Beispiel, welche Umkipp-Punkte es in der Vergangenheit schon gegeben hat. Generationszyklen und die mit ihnen verbundenen Erzählungen zum Beispiel. Wenn immer mehr Alte allein sein werden im Alter, könnte es zu einer Grundangst der jungen Generation werden, angehörigenlos zu altern - mit der Folge, dass sie mehr Kinder haben wollen. Aber es muss gar nicht so sein, dass es mehr einsame Alte geben wird. Schließlich sind die heutigen Middle-Agers ganz anders vernetzt als frühere Generationen, planen sogar gemeinschaftliches Wohnen. Der vorliegende Band, ein Sonderheft der Zeitschrift für Familienforschung, befasst sich mit vielerlei Entwicklungen - auch mit der Zukunft der Hausarbeit in Paarbeziehungen, mit familiären Ferngemeinschaften, mit der Frage nach möglichen Unterschieden zwischen Einzel- und Geschwisterkindern. Alles keineswegs deprimierend.

cho

Barbara Budrich Verlag, Opladen 2009, 316 Seiten, 48 Euro


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Asmus Finzen: Das Sterben der anderen. Sterbehilfe in der Diskussion



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Dies ist ein ruhiges, gelassenes Buch auch eine Führung durch den Dschungel der Begrifflichkeiten, zudem mit Erläuterungen zum jüngst beschlossenen Patientenverfügungsgesetz. Der Psychiater Asmus Finzen, der früher auch schon über Suizidprophylaxe geschrieben hat, macht kein Hehl aus seiner Haltung: Jede/r hat ein Recht auf Sterben in Würde, soll auch diese und jene Behandlung in einer Patientenverfügung untersagen können, natürlich, aber er oder sie hat kein Recht auf "Tötung auf Verlangen". Hilfe beim Sterben, nicht Hilfe zum Sterben, das sei die Lösung. Denn Motiv für einen Sterbewunsch seien vor allem psychosoziale Leiden, nicht unbehandelbare Qualen. Die meisten seien nicht von Schmerzen getrieben, sondern von Angst - vor künftigen Leiden, vor Würdelosigkeit, davor,  den Angehörigen zur Last zu fallen oder verlassen zu werden.Dagegen müsse man was tun, und ja, auch die palliativmedizinische Kompetenz müsse man stärken, bei Hausärzten, Pflegeheimärzten etc.

cho

Balance buch + medien Verlag, Bonn 2009, 191 Seiten, 15,95 Euro


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Jens Seiler: Schneller lesen



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Lesen ist eine Kulturtechnik, schnell lesen eine Verfeinerung. Die meisten erfassen 200 bis 300 Wörter pro Minute. Mit entsprechender Technik und nur ein wenig Training, verspricht der Parlamentsstenograph und Schnelllese-Trainer Seiler, schaffe man die doppelte Menge. Indem wir die Verarbeitungskapazität unseres Gehirns besser nutzen - und deshalb einfach nicht so viel abschweifen. Das Kurzzeitgedächtnis wird dabei besser genutzt, entsprechend steigt das Verständnis des Gelesenen. Schließlich nutzt Lesen ohne Verständnis gar nichts. Aber wie gesagt: Ein wenig Training gehört dazu. Wer 1000 und mehr Wörter pro Sekunde lesen können will, greift zu den Techniken des Speed Reading, gar des Photo Reading. Aber dafür muss man intensiv üben.

cho

Verlag C. H. Beck, München 2009, 128 Seiten, 6,80 Euro


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Michaela Seul: Hospizarbeit und Palliativbetreuung



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Ein sehr lesefreundliches Taschenbuch für Menschen, die sich erstmals an das Thema Hospize (stationären wie ambulanten) und Palliativbetreuung herantasten wollen. Die Autorin führt sachte und mit vielen anrührenden Erzählungen von konkreten Menschen und ihren jeweiligen Befürchtungen und Bedürfnissen in das Thema ein. Kein medizinischer Ratgeber also, auch wenn zum Beispiel die vor- und Nachteile einer Magensonde tabellarisch gegenübergestellt werden.

cho

Knaur Verlag, München 2009, 206 Seiten, 8,95 Euro


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Claus Petermann: Petermanns Almanach für den Biogarten



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Kein typisches Gartenbuch, aber ein optisch und inhaltlich sehr liebevoll gemachtes Schmökerbuch für GartenfreundInnen. Und, doch, es gibt auch eine Menge nützlicher Tipps - etwa Tabellen mit heimischen Bäumen und Sträuchern, mit alten Gartenrosen oder den klassischen Blumen des Bauerngartens (Rittersporn! Tränendes Herz!), dazu Rezepte (Borschtsch!) oder eine Übersicht, welches Gemüse neben welches passt. Und natürlich viele erzählte Erfahrungen wie die, Rhabarberblätter auszulegen, um am nächsten Morgen die darunter versammelten Schnecken umstandslos einsammeln zu können.

cho

Ludwig Verlag, München 2009, 272 Seiten, 19,95 Euro


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Mathias Weber (hrsg.): Das Web-Adressbuch für Deutschland 2010



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Internetadress-Listen in Buchform? Klingt erstmal merkwürdig, ist aber gar nicht so merkwürdig, denn dank dieser Vorauswahl kann man sich das Durchackern der google-Trefferlisten ersparen. Man schaut im Inhaltsverzeichnis diesen dicken Bandes nach und findet dann zum Beispiel im Kapitel "Arbeit und Beruf" im Unterkapitel "Seminare & Weiterbildung" die Meta-Suchmaschine www.iwwb.de.; oder bei "Soziales" unter "Männer" das Nachschlagewerk für Junggesellen www.frag-mutti.de, unter "Soziales" übrigens auch - bei Religion - die Webseiten von chrismon und der EKD. Unter "Erotik" allerdings auch kostenpflichtige Erotik-Angebote. Gehören die auch zu den "wichtigsten deutschen Internet-Adressen"? Die Kriterien für die Aufnahme einer Webseite in den Katalog sind zum Beispiel diese: übersichtliche Bedienerführung, großes Service-Angebot und viel Inhalt, viele kommentierte Links zum jeweiligen Themengebiet, Mehrzahl der Inhalte ohne Anmeldung zugänglich.

cho

m. w. Verlag, Frankfurt 2009, 734 Seiten, 16,90 Euro


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Christoph Butterwegge: Armut in einem reichen Land



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Wie Armut und Arme gesehen werden, das hängt vom Betrachter ab und damit von der perönlichen Vorprägung durch eigene Lebenserfahrungen ab. Das macht Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler an der Uni Köln, gleich zu Anfang klar. Auch sein Buch sei als "eine subjektiv gefärbte, leicht als ideologisch zu brandmarkende Problemsicht" zu sehen. Der Kölner Politikwissenschaftler arbeitet sich zunächst am klassischen Armutbegriff ab, der sich auf die Frage bezog, ob jemand mehr besaß, als er zum bloßen Überleben benötigte. Ein zeitgemäßer Armutsbegriff bezieht mit ein, in welcher Geselslchaft jemand lebt, was dort als Mangellage empfunden wird - wenn man zum Beispiel gesellschaftlich ohnmächtig ist, nicht teilhaben kann. Am liebsten, so Butterwegge, würden in Deutschland viele den Begriff Armut derart eng fassen, dass davon hierzulande gar nicht mehr die Rede sein kann. Wie das Problem geleugnet und verdrängt wird, welche Wege zur Armutsbekämpfung Irrwege sind, das ist Thema der Hauptkapitel. Das Schlusskapitel ist ein wenig schmal geraten, aber schon die Idee, per Gesetz bezahlte Überstunden zu verbieten, ist anregend. Und sowieso steht die Vermögensteuer nach wie vor in Artikel 106 Absatz 2 Grundgesetz.

cho

Campus Verlag, Frankfurt 2009, 378 Seiten, 24,90 Euro


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Dieter Philippi: Sammlung Philippi



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Kopfbedeckungen in Glaube, Religion und Spiritualität

Eine spirituelle Dimension ihrer Sammlerleidenschaft haben schon viele freimütig bekannt. Bei Dieter Philippi ist das ganz wörtlich zu nehmen: Kopfbedeckungen zahlloser Länder, Religionen und Konfessionen hat er zusammengetragen, katalogisiert, dokumentiert und nun in einem über vier Kilogramm schweren Coffeetable-Buch zugänglich gemacht. Von den Hüten katholischer Bischöfe über die kronengleichen Mützen des Caodaismus (einer erst 1926 gegründeten Religion in Südvietnam), von den Mützen afghanischer Muslime über die spezielle Kippa bucharischer Juden (mit eingewebter Weltkarte) bis hin zur einzigartigen Tiara Pius IX. (die freilich nicht direkt zur Sammlung Philippi gehört) sind alle Einzelstücke exzellent abgebildet und mit präzisen Beschreibungen versehen. Größe, Gewicht, Material (innen und außen), Stickereimotive, Gebrauch und die vielfachen Bezeichnungen für jedes Objekt werden so bündig präsentiert. Ergänzt wird die Hüte-Sammlung durch päpstliche Kniestrümpfe, Marienmedallions, Pektoralschnüre, Soutanen und Transportköcher für Scheitelkäppchen. Was leider fehlt, sind die Geschichten hinter den Dingen: Ohne Anekdoten und Erzählungen bleiben die Gegenstände etwas blutleer und das große Werk hinter seinem Potenzial zurück. Ein Schatz für den Sammlerfreund spiritueller Kuriosa ist es dennoch.

Gebundene Ausgabe, 711 Seiten. Verlag St. Benno 2009, 79 Euro


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Quelle: chrismon.de
URL: http://www.chrismon.de/Buchtipps.php
[Stand: Montag, 8. Februar 2010 15:11 Uhr]

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