Auf ein Wort

Integration

09/2010


Dr. Johannes Friedrich.

Dr. Johannes Friedrich ist
Bischof der Evangelisch-
Lutherischen Kirche in
Bayern und Herausgeber
des Magazins chrismon

...ist nicht nur die Aufgabe der anderen. Wer die Muslime nicht als Nachbarn ehrt, treibt sie in die Arme der Islamisten

 

Das war mal eine Predigt: Es gehöre zu unseren Grundprinzipien, es als "religiöse Aufgabe zu betrachten, gemeinsam mit der Gesellschaft und den entsprechenden Institutionen des Landes gegen un- und antidemokratische Entwicklungen, gegen mangelnde Bildung, moralische Wertelosigkeit, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Extremismus, Hass gegen Juden, Christen oder Muslime vorzugehen."
So heißt es, leicht gekürzt, in einer Predigt zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes. Eine schöne Predigt! Ja, sehr zustimmungswürdig. Eine christliche Predigt? Nein, eine islamische. Sie wurde am 22. Mai 2009 vom Imam der Moschee in der oberbayerischen Kleinstadt Penzberg, Benjamin Idriz, gehalten - natürlich auf Deutsch.
Ich habe im Juli offiziell diese Moschee besucht und war überwältigt von der Schön­heit dieses modernen Baus, in dem Transparenz das wichtigste Stilmittel ist - und das wichtigste Prinzip für die Gemeinde, die darin betet. Die Offenheit und Transparenz dieser Gemeinde und ihres Imam haben mich sehr überzeugt. Ihnen ist es ein ganz wichtiges Anliegen, als eine Gemeinde in Deutschland gesehen zu werden, die sich für die Integration starkmacht: "Die neue Generation von Muslimen ist Träger einer neuen Identität. Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat, uneingeschränkte Glaubens- und Meinungsfreiheit, Pluralismus des Denkens, der Religionen sind Grundwerte auch für die Muslime in Deutschland", versicherte der Imam in seiner Predigt.
Die Gemeinde ist bestens vernetzt und angesehen - bei der kommunalen Gemeinde ebenso wie mit den beiden christlichen Ortsgemeinden.
Nur der Staat hält es für denkbar, dass die Penzberger Muslime doch verkappte Islamisten sind. Im bayerischen Verfassungsschutzbericht werden der Gemeinde Kontakte zu verfassungsfeindlichen Gruppierungen vorgeworfen - mit der Folge, dass der Gemeinde die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde. Die Verantwortlichen in der Islamischen Gemeinde Penzberg bestreiten, dass es Kontakte zu Milli Görüs und anderen islamistischen Organisationen gibt. Und ich glaube ihnen - aufgrund von vielen kleinen Details. Aber ich kann es letztlich nicht selbst beurteilen. Beurteilen kann ich aber, was die Vertreter der Gemeinde öffentlich sagen, was sie tun, wie sie reden, wie sie sich verhalten.
Und da kann ich nur sagen: Genau so wünsche ich es mir von allen muslimischen Gemeinden in Deutschland. Würden alle sich so geben, wären wir in der Integration ein großes Stück weiter.
Das habe ich auch öffentlich gesagt. Und was habe ich daraufhin für Reaktionen bekommen! Die evangelische Kirche meine, die sogenannte "Kultur" des Ehrenmords, des Terrorismus, der Frauenunterdrückung "hofieren zu müssen" - das war noch einer der harmloseren Vorwürfe.
Welche Ängste müssen Menschen haben - nicht nur berechtigte Ängste vor Isla­misten, sondern vor Muslimen überhaupt? Wenn wir aber nach solchen hand­eln, tun wir das Gegenteil dessen, was geboten ist. Wir treiben die vielen integrationswilligen Muslime - und die Mehrheit der Muslime in unserem Land gehört dazu - geradezu den Islamisten in die Arme.
Integration ist nicht nur die Aufgabe der anderen, sondern auch unsere. Und als Christen wissen wir, dass alle Menschen Geschöpfe unseres Gottes sind, sein Ebenbild. Dass wir sie deshalb zu achten und zu ehren haben, so wie sie sind, mit ihrer Mentalität, mit ihrer Kultur, auch mit ihrer Religion. Die Nächstenliebe gebietet uns, sie als Nachbarn zu achten und zu ehren. Dafür auch gegenüber anderen einzutreten, ist uns Christen aufgetragen.


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Quelle: chrismon.de
URL: http://www.chrismon.de/Auf_ein_Wort.php
[Stand: Dienstag, 31. August 2010 14:07 Uhr]

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