Filmtipps

Aktuell im Kino



 

Briefe an Julia (USA 2009)

In Verona scheint es Tradition zu sein, sich in Liebesfragen direkt an Shakespeares tragische Dramenfigur Julia zu wenden. Und zwar per Brief, der am vermeintlichen Haus der Julia hinterlegt wird. In der romantischen Komödie "Briefe an Julia" findet die junge Amerikanerin Sophie (Amanda Seyfried) ein solches Hilfegesuch im Mauerwerk des Julia-Hauses und fühlt sich angesprochen. Im Namen der Liebe beantwortet sie den Brief der Engländerin Claire (Vanessa Redgrave), der hier seit mehr als fünfzig Jahren unerhört schlummerte. Die betagte Claire reist daraufhin tatsächlich nach Verona und wird dabei von ihrem blonden Enkel Charlie begleitet. Dass der englische Sportsmann im Gegensatz zu Sophies affektiertem Noch-Freund Victor (Gael Garcia Bernal) eine tragende Rolle spielen wird, ist klar - und damit auch der weitere Handlungsverlauf. Durch die motorisierte Suche nach Claires großer Liebe, auf die sich die drei begeben, bekommt die Geschichte noch einen Roadtrip-Anstrich, und der Zuschauer, außer der kalkulierten Romanze, Toskana-Atmosphäre satt.

epd

Regie: Gary Winick.
Buch: José Rivera, Tim Sullivan.
Mit Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave,
Gael Garcia Bernal, Christopher Egan,
Franco Nero, Oliver Platt.
105 Min. FSK: o.Al., ff.

 

 

Babys (Frankreich 2010)

In seinem Dokumentarfilm "Babys", der ohne jeden begleitenden Kommentar auskommt, begleitet Regisseur Thomas Balmés vier Babys aus vier verschiedenen Ländern und Kulturen. Von der Geburt an und über einen Zeitraum von gut einem Jahr kann der Betrachter miterleben, wie Ponijaio, der mit seinen Eltern in einem Wüstendorf Namibias lebt, Bayar, dessen Zuhause die mongolische Steppe ist, Mari aus Tokio und und Hattie aus San Francisco ihre ersten Erfahrungen mit der Welt machen. Dass diese von Kulturkreis zu Kulturkreis verschiedene Gegebenheiten und Erlebnisse für die vier kleinen Menschen bereithält, macht Balmés Dokumentarfilm auch für Zuschauer, die nicht gleich dem Niedlichkeitsfaktor erliegen, zu einer unterhaltsamen und interessanten Sache.

epd

Regie und Buch: Thomas Balmés.
Mit: Ponijao, Hattie, Bayar, Mari.
78 Min. FSK: o.Al., ff. FBW: besonders wertvoll.

 

 

Die Legende von Aang (USA 2010)

In einer Welt, in der vier Völker in Harmonie leben könnten, herrscht seit hundert Jahren Kriegszustand. Das Erd-, das Wasser- und das Windvolk leiden unter der Unterdrückung durch das Feuervolk, und es gibt bloß einen, der diesen Zustand ändern kann. In dem Fantasymärchen von M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") ist es der kleine Aang, der als einziger alle Elemente beherrscht und so das Gleichgewicht wieder herstellen kann. Nachdem er einst vor seiner Verantwortung geflohen war, will er nun seine Fähigkeiten trainieren, um sich ihr zu stellen. Der Film, der auf einer amerikanischen Zeichentrickserie ("Avatar - Der Herr der Elemente") beruht und wie die Serie von westlichen Abziehbildern taoistischer Motive durchdrungen ist, schafft es nicht, seine Darsteller überzeugend in Szene zu setzen. In der Nachkonvertierung mit 3-D leiden dann auch noch die Special Effects, die Shyamalans 280 Millionen-Dollar-Epos neben konfuser Dramaturgie und Handlung zu bieten hat. Ein jüngeres Publikum findet an der Geschichte und ihrem kindlichen Helden vielleicht trotzdem Gefallen.

epd

Regie und Buch: M. Night Shyamalan.
Mit: Noah Ringer, Dev Patel,
Jackson Rathbone, Nicola Peltz, Aasif Mandvi.
103 Min. FSK ab 6, ff.

 

 

Männer im Wasser (Schweden 2008)

In Frederiks (Jonas Inde) Leben läuft gerade alles schief: Erst verliert er Job und Frau, und dann wird er mit seiner Hockeymannschaft auch noch aus der Trainingshalle verdrängt. Ein Besuch der Tochter Sara (Amanda Davin) bringt ihn auf eine Idee. Mit seinen Kumpels feiert er einen alkoholisierten Junggesellenabschied als "Wasserballett". Und aus dem Gag wird mehr: Die Männer gründen eine Synchronschwimmmannschaft - die sich irgendwann Hoffnungen auf einen großen Titel machen kann. Måns Herngren, der das Drehbuch zu "Männer im Wasser" gemeinsam mit der Synchronschwimm¬trainerin Jane Magnusson geschrieben hat, setzt einen Sport in Szene, der nach wie vor unterschätzt wird. Vielleicht ist das schräge Emanzipationsdrama insgesamt etwas zu harmlos. Aber sicher wird es auf absehbare Zeit der einzige Film sein, der Synchronschwimmen für Männer zum Thema macht.

epd

Regie: Måns Herngren.
Buch: Jane Magnusson, Måns Herngren.
Mit: Jonas Inde, Amanda Davin,
Benny Haag, Jimmy Lindström.
101 Min. FSK: o.Al., ff.

 

 

Das A-Team (USA 2010)

Mit "Das A-Team - Der Film" bringt Regisseur Joe Carnahan nicht nur eine der beliebtesten Serien der 80er Jahre auf die Leinwand, sondern beschwört auch den Geist der Filmspektakel jener Zeit mit ihrer sinn-, aber auch blutlosen Gewalt herauf. Dem "Viel-Krach-Wenig-Folgen"-Prinzip bleibt Carnahan ebenso treu, wie den vier Hauptcharakteren: dem ständig Zigarre rauchenden Chef und Strategen Hannibal (Liam Neeson), dem charmanten Frauenheld und Hochstapler Face (Bradley Cooper), dem zwischen Wahnsinn und Genie schwankenden Piloten Murdock (Sharlto Copley) und dem reizbaren, muskelbepacktem B.A. (Quinton "Rampage" Jackson). Allerdings muss das A-Team, um die Länge eines Spielfilms zu überstehen, nun geraubte Geldprägeplatten für einen vermeintlichen CIA-Agenten wiederbeschaffen, anstatt den Hilflosen und Schwachen unter die Arme zu greifen. Carnahan hat den Serienstoff in eine Blockbusterästhetik übersetzt, bei der die Spezialeffekte den Figuren den Rang ablaufen.

epd

Regie: Joe Carnahan.
Buch: Joe Carnahan, Skip Wood.
Mit: Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel,
Quinton "Rampage" Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson.
118 Min. FSK: 12, ff.

 

 

London Nights (Großbritannien 2008)

In seinem zweiten Film folgt der argentinische Regisseur Alexis Dos Santos mehreren jugendlichen Protagonisten auf ihren Pfaden durch die nächtliche Metropole London. Mit eingeflossen in den Film sind Anregungen aus den verschiedensten Künsten. Der Spanier Axl (Fernando Tielve), der nach London gekommen ist, um seinen Vater zu suchen, findet Unterschlupf in einem besetzten Haus. Nach berauschenden Nächten wacht er mit verschwommenen Erinnerungen und neben wechselnden Bettnachbarn auf. Die Französin Vera (Déborah François), enttäuscht durch eine unglückliche Liebe, erlaubt sich selbst und ihrem neuen Liebhaber (Michiel Huisman) kein wirkliches Kennenlernen. Ob es ein Widersehen gibt überlässt sie Zufall und Schicksal. Die unscharfen Bilder entwickeln einen Sog, der den Zuschauer eintauchen lässt: in die Leichtigkeit und Ungewissheit, die Melancholie und das Glück der Jugend.

epd

Regie und Buch: Alexis Dos Santos.
Mit: Déborah François, Michiel Huisman, Fernando Tielve,
Iddo Goldberg, Richard Lintern, Katia Winter, Alexis Dos Santos.
93 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Mademoiselle Chambon (Frankreich 2009)

Der Maurer Jean (Vincent Lindon) führt mit seiner Frau Anne-Marie (Aure Atika) und Kind ein beschauliches und zufriedenes Leben, das durch die Begegnung mit der Lehrerin seines Sohnes ins Wanken gerät. Die Geige spielenden "Mademoiselle Chambon" (Sandrine Kiberlain) weckt in dem Familienvater ungekannte Sehnsüchte; sie wiederum fühlt sich von seinem zurückhaltenden Selbstverständnis angezogen. Die Dreiecksbeziehung, die keiner willentlich herbeiführen will, sondern die sich als Situation für alle Beteiligten wie unausweichlich zu ergeben scheint, lässt keine Täter- oder Opferzuweisungen zu. Vielmehr gilt es für Jean, seine Frau, Mademoiselle Chambon und den Zuschauer, die sich ausbreitende Spannung auszuhalten und abzuwarten. Mit reduzierten Dialogen und betont langsamer Inszenierung gelingt es dem französischen Regisseur Stephane Brizé den vielzitierten Widerspruch zwischen vorläufigen und endgültigen Gefühlen feinfühlig und wahrhaftig darzustellen.

epd

Regie: Stéphane Brizé.
Buch: Stéphane Brizé, Florence Vignon
(Romanvorlage von Éric Holder).
Mit: Sandrine Kiberlain, Vincent Lindon,
Aure Atika, Jean-Marc Thibault.
101 Min.

 

 

8. Wonderland (Frankreich 2008)

Sie sitzen überall. In allen Ländern in allen möglichen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Positionen. Und vor allem: Sie sitzen vor dem Computer. Wenn im basisdemokratischen 8. Wonderland Entscheidungen anstehen, so werden diese im Online-Chatroom von den "Bewohnern" aus der ganzen Welt diskutiert und getroffen. Diese "Bewohner" gehören auf dem Papier zwar den unterschiedlichsten (real existierenden) Staaten an - teilen aber eine gemeinsame Utopie, die sie mit subversiven Maßnahmen versuchen durchzusetzen. So werden beispielsweise über Nacht Kondomautomaten im Vatikan montiert oder ein geplanter Atomdeal zwischen Russland und dem Iran wird vereitelt. Wenn jedoch über die Liquidierung eines korrupten Diktators abgestimmt wird, beginnt sich das alte Spiel der Korrumpierung durch Macht, das auch vor den besten Idealen nicht hat macht, abzuzeichnen.
Die Regisseure Nicolas Alberny und Jean Mach werfen in ihrem kleinen Science-Fiction-Film Fragen auf, die zwar nicht neu, aber deshalb nicht irrelevant sind: Was ist globale Verantwortung, was Staatszugehörigkeit ? Und was bewirkt individuelle Partizipation, wenn sie gebündelt wird?

epd

Regie und Buch: Nicolas Alberny, Jean Mach.
Mit Matthew Géczy, Eloissa Florenz, Robert William Bradford,
Alaïn Azerot, Ahlima Mhamdi, Michael Hofland.
98 Min. FSK: ab 12, ff.

 

 

Mother (Südkorea 2009)

Der Titel ist Programm: Im neuen Film des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho steht eine Mutter im Mittelpunkt, die wie eine besitzergreifende Glucke ihren geistig etwas zurück gebliebenen erwachsenen Sohn behütet. Als er eines Tages beschuldigt wird, ein Mädchen ermordet zu haben und auch gleich ein Geständnis ablegt, versucht sie mit allen Mitteln, seine Unschuld zu beweisen. Diese Prämisse macht "Mother" zur Hitchcockvariation, und der Film erweckt auch für eine Weile den Anschein, als wolle er den Regeln des Murder Mystery folgen. Doch je weiter die Mutter mit ihren Recherchen vorankommt, desto mysteriöser und scheinbar zielloser wird die Handlung. Bong baut Schlenker und Umwege ein und öffnet einen Pfad in die Vergangenheit. Was ganz einfach begann, wächst sich immer mehr zu einem surreal angehauchten Crime-Drama mit Parallelen zu David Lynch aus - ein origineller und intelligenter Genremix.

epd

R: Bong Joon-ho.
B: Park Eun-kyo, Bong Joon-ho.
Mit Kim Hye-ja, Won Bin, Gu Jin, Yoon Jae-Moon, Jun Mi-sun.
129 Min. FSL: 12, ff. Film des Monats der Jury der Ev. Filmarbeit.

 

 

Me Too (Spanien 2009)

Was ist Normalität? So lautet die Frage dieses spanischen Films, der seine Zuschauer mit komödienhaftem Charme erobert, doch stets ernste Hintergedanken verfolgt. Dafür sorgt schon die Hauptfigur Daniel, der tatsächlich als der erste Akademiker mit Downsyndrom europaweit Aufsehen erregte. Als der Außenseiter Daniel auf seiner ersten Arbeitsstelle die aufregende Blondine Laura (Lola Dueñas) trifft, ist er sofort verliebt. Die in Wirklichkeit instabile, etwas verwahrloste, liebesunfähige junge Frau hat jedoch der ganz normale Wahnsinn einer bürgerlichen Familie aus der Bahn geworfen. Sie sind beide Außenseiter und doch trennen sie Welten. Immer wieder lotet der Film die Grenzen aus, die von der Instanz Gesellschaft mit ihren normativen und weitgehend von uns verinnerlichten Regeln gezogen werden. Jeder muss sein eigenes Leben jenseits der gesellschaftlichen Normen finden, auf seine Art erwachsen werden - so in etwa lautet die Botschaft des Films.

epd

Regie: Álvaro Pastor, Antonio Naharro.
Mit Lola Dueñas, Pablo Pineda, Antonio Naharro,
Isabel García Lorca, Pedro Àlvarez Ossoria.
103 Min. FSK: o. Al., ff.

 

 

Themba (Deutschland/Südarfrika 2010)

Liebevoll behütet von seiner Mutter, lebt der elfjährige Themba mit seiner kleinen Schwester Nomtha im Ostkap. In die vaterlose Familie schleicht sich der vermeintliche Onkel Luthando ein. Themba gründet eine erfolgreiche Jugendmannschaft, die »Lion Strikers«, und seine Talente fallen John Jacobs (dargestellt von Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann), dem Trainer von Ajax Kapstadt, auf. Als die Mutter ihren Job verliert und in Kapstadt den Lebensunterhalt für die Familie verdienen muss, sind die Kinder dem stets betrunkenen Luthando ausgeliefert. Themba kann verhindern, dass Luthando sich an seiner kleinen Schwester vergeht, wird aber selbst von ihm vergewaltigt. Die beiden Kinder fliehen nach Kapstadt und finden ihre an Aids erkrankte Mutter. Alles scheint sich zu wenden, als sich deren Zustand verbessert und Themba ins Nationalteam berufen wird. THEMBA ist - vor allem dank der souverän agierenden jungen Darsteller - in seinen besten Teilen eine gelungene Coming-of-Age-Story. Aber die in Pretoria geborene regisseurin schneidet sehr viele Theman auf einmal an - was mitunter zu Lasten der dramaturgischen Stimmigkeit geht.

epd

Regie und Buch: Stefanie Sycholt.
Mit Jens Lehmann, Junior Singo,
Patrick Mofokeng, Emmanuel Soquinase.
109 Min.

 

 

Eine Karte der Klänge von Tokio (Spanien 2009)

Während eine Gruppe Geschäftsmänner Sushi von nackten Frauenkörpern pult, erfährt der mächtige Mr, Nagara vom Tod seiner Tochter. Für den Tod macht der erschütterte Japaner den Spanier David (Sergi Lopez) verantwortlich, der Wein an japanische Kenner verkauft und nun um seine labile, junge Geliebte trauert. Einer von Nagaras Männern heuert die mysteriöse Ryu an, um David zu ermorden. Ryu lebt ein Leben zwischen stoisch absolvierten Arbeits¬tagen und einsamen Nächten und verdient sich als Auftragskillerin ein paar Yen dazu. David und Ryu beginnen eine Affäre. Doch die Wärme, die ihnen gegen ihren Willen unterläuft, dringt nicht bis in ihre vereisten Seelen. Leider vertraut die spanische Regisseurn Isabel Coixet der leisen Chronik eines Liebesirrtums nicht, sondern reichert sie mit Elementen des überstrapazierten Auftragskiller-Genres an - was zu einer immer mehr vorhersehbaren Story führt.

epd

Regie und Buch: Isabel Coixet.
Mit: Rinko Kikuchi, Sergi López, Min Tanaka,
Manabu Shio, Takeo Nakahar, Hideo Sakaki.
109 Min. FSK: 16, ff.

 

 

Inception (USA/Großbritannien 2010)

Nach seinem großen Erfolg mit der "Batman"-Fortsetzung "Dark Night" vor zwei Jahren beweist sich der britische Filmemacher Christopher Nolan mit "Inception" erneut als selbstbewusster Grenzgänger zwischen Mainstream und Arthouse-Kino. Leonardo DiCaprio spielt einen Agenten, der sich darauf spezialisiert hat, in die Träume seiner Zielpersonen einzudringen, um daraus geheime Informationen zu entwenden. In seinem vorgeblich letzten Auftrag soll er nun eine Idee ins Unterbewusste eines Industriemagnaten einpflanzen. Von Schuldbewusstsein und eigenen seelischen Dämonen verfolgt, stellt er ein Team aus Spezialisten zusammen, um zu vollbringen, was angeblich noch niemandem vorher gelungen ist.
"Inception" ist Actionkino des menschlichen Unterbewusstseins. In übereinander gelagerten Erzählebenen und mit visueller Brillanz erkundet der Film die Architektur des Traumes, denkt über dessen Manipulierbarkeit nach, reflektiert das Medium Film und funktioniert trotzdem noch als großes Popcornkino.

epd

USA/Großbritannien 2010.
Regie und Buch: Christopher Nolan.
Mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page,
Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger,
Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine.
142 Min.

 

 

Toy Story 3 (USA 2010)

Im dritten und abschließenden Teil der "Toy Story"-Saga sehen sich die Spielzeuge um ihre Anführer Cowboy Wood und Buzz Lightyear damit konfrontiert, dass ihr Besitzer Andy das Elternhaus verlässt, um aufs College zu gehen. Während der nun groß gewordene Junge seine Sachen packt, fragen sie sich bang, ob sie auf dem Speicher oder aber im Müll landen werden. Woody hat das Glück, von Andy als Andenken mitgenommen zu werden, die anderen aber finden sich bald in einem Kindergarten wieder, in dem ein verbitterter Plüschbär eine Art Terrorherrschaft errichtet hat und die Neulinge wie Gefangene hält. Doch Woody lässt seine Kumpane nicht im Stich. Mit seinem melancholischen Tonfall ist der neue Pixar-Film ziemlich erwachsenenorientiert und bietet zudem in der Abenteuer geprägten Handlung eine Reihe düsterer Elemente, die "Toy Story 3" zu einem Vergnügen für junge und ältere Fans macht.

epd

Regie: Lee Unkrich
Buch: Michael Arndt.
Mit den deutschen Stimmen von Michael Bully Herbig,
Rick Kavanian, Christian Tramitz.
103 Min. FSK: o. Al.,ff. FBW: besonders wertvoll.

 

 

Renn, wenn du kannst (Deutschland 2010)

Ein Rollstuhlfahrer und sein Zivildienstleistender verlieben sich in das gleiche Mädchen: Das ist nicht der Stoff, aus dem sonst die Kinoträume sind. Doch Dietrich Brüggemann gelingt mit seinem Kinodebüt ein Behindertendrama ohne politische Korrektheiten, das durch seinen glänzenden Hauptdarsteller überzeugt. Mit seiner hageren, fragilen Erscheinung erweckt Robert Gwisdek den gebrochenen Charakter des Rollstuhlfahrers Ben zum Leben. Der ist verbittert, die ihm zugeteilten Zivildienstleistenden triezt er mit sadistischer Inbrunst. Gemäß dem Credo von Groucho Marx, der keinem Club angehören will, der Leute wie ihn als Mitglied akzeptiert, formuliert auch Ben seine ausdrückliche Abneigung gegen Behinderte und Gutmenschen, die Behinderte mögen. Doch in seinen schlecht gelaunten Tiraden erweist sich Ben zugleich als geschickter Wortakrobatik, dem es tatsächlich gelingt, die schöne Cellospielerin Annika, auf die sein Zivi Christian eben auch ein Auge geworfen hat, zu verführen. Aber wird er das prekäre Glück aushalten?

epd

Regie: Dietrich Brüggemann.
Buch: Dietrich & Anna Brüggemann.
Mit Robert Gwisdek, Anna Brüggemann,
Jacob Matschenz, Franziska Weisz, Leslie Malton.
116 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Das Konzert (Frankreich 2009)

Ein noch zu Sowjetzeiten zum Putzmann degradierter Dirigent findet durch Zufall ein Telegramm und sieht eine letzte Chance gekommen: Er gibt sich als Leiter eines Orchesters aus, um mit seinen Musikern von einst nach Paris reisen zu können. Das Unternehmen wird zum Hindernislauf, bis zuletzt bedroht von vorhersehbaren und weniger vorhersehbaren Verwicklungen. Der aus Rumänien stammende Regisseur Radu Mihaileanu ("Zug des Lebens") macht es sich in seinem neuen Film etwas zu leicht, die Idee vom "falschen Bolschoi-Orchester" in eine polternde Komödie umzusetzen und lässt dabei kaum ein Klischee über Juden, Zigeuner oder den Russen an sich aus. Das wunderbare, von Anfang an beschworene Tchaikowski-Konzert bleibt allerdings bis zuletzt das Bindeglied, das die großen Schwankungen des Films zwischen Burleske und feinfühliger Vergangenheitsbewältigung zusammenhält.

epd

Regie: Radu Mihaileanu.
Buch: Radu Mihaileanu, Matthew Robbins.
Mit Alexeï Guskow, Dmitri Nazarov, Mélanie Laurent,
François Berléand, Miou-Miou, Valeri Barinov.
122 Min.

 

Knight And Day (USA 2010)

Etwas zu angestrengt gibt Tom Cruise den lässigen Top-Spion, der in jeder halsbrecherischen Verfolgungsjagd eine verdammt gute Figur macht. Mit Cameron Diaz im Schlepptau hechtet er in der sommerlichen Actionkomödie von James Mangold als überlebensgroßer Doppelagent rund um den Globus. "Knight And Day" ist energisches Unterhaltungskino, temporeich inszeniert, selbstironisch daherkommend, mit coolen Sprüchen und logistisch eindrucksvoll über Städte, Inseln und Kontinente hinweg. Aber spätestens nach der Hälfte der Zeit wirkt der Film auch angestrengt und bemüht.

epd

USA 2010.
R: James Mangold
B: Patrick O´Neill. Mit: Tom Gruise,
Cameron Diaz, Peter Saarsgard, Paul Dano.
110 Min.

 

 

Micmacs - Uns gehört Paris (Frankreich 2009)

Mit luftigen Wortspielen, Zaubertricks und Verwandlungskünsten, mit Illusion und Spielerei tritt eine bunt zusammengewürfelte Truppe skurriler Außenseiter gegen die Todesmaschinen der Waffenhändler an. Im Kopf von Bazil (Dany Boon) steckt die Kugel von einer Schießerei, in die er verwickelt wurde und die nicht entfernt werden kann. Er heckt einen Racheplan aus, dessen Opfer zwei Waffenfabriken werden sollen, die mit ihren Produkten soviel Leid gebracht haben: Jean-Pierre Jeunet überzieht seinen Lieblingsschauplatz Paris ein weiteres Mal mit dem nostalgisch poetischen Zauber vergangener Zeiten und seiner ganz persönlichen Fantasie.

epd

Frankreich 2009.
R: Jean-Pierre jeunet. B: Jean-Pierre Jeunet,
Guillaume Laurant. Mit: Dany Boon, Julie Ferrier,
Dominique Pinon, André Dussolier.
104 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Kleine Wunder in Athen (Griechenland/Deutschland 2009)

Krisenland Griechenland. Die Geschäfte von Stavros, dem Kioskbesitzer, laufen schlecht. Vielleicht, weil nebenan zwei weitere Kioske sind. Doch die gehören seinen Freunden, mit denen er tagaus, tagein vorm Laden sitzt und herumphilosophiert - besonders über die Chinesen vom laden gegenüber oder über die albanischen Baurarbeiter. Als hätte er nicht schon genug Probleme, muss er, der stolze Grieche sich eines Tages fragen, ob er nicht in Wahrheit zu den von ihm so verachteten Albanern gehört. Existenzen so klamm wie die griechische Staatskasse, Humor so trocken wie ein Athener Sommer. Filippos Tsitos lässt in seiner sehr sympathischen, lakonischen Komödie einen glücklosen Menschen eine Identitätskrise durchleben. Angenehme Nebenwirkung: die Demontage patriotischer Phrasen.

epd

Griechenland/Deutschland 2009.
R: Filippos Tsitos. R: Alexis Kardaras, Filippos Tsitos.
Mit: Antonis Kafetzopoulos, Anastas Kozdine, Titika Saringouli.
103 Min.

 

 

Men on the Bridge (Türkei/Deutschland/Niederlande 2009)

Fikret verkauft Blumen inmitten der stinkenden Autoschlangen auf der Bosporus-Brücke in Istanbul, Murat ist dort Verkehrspolizist und Unmut der Fahrer eines Sammeltaxis: Alle drei scheitern in ihren Träumen von Glück und Aufstieg am alltäglichen Überlebenskampf. Die in Berlin lebende türkische Regisseurin Asli Özge zeigt in ihrem semidokumentarischen Kinodebüt mit viel kritischer Sympathie drei Männerleben im Großstadtdschungel von Istanbul, gefangen zwischen traditioneller Versorgerrolle und modernen Versagensängsten.

epd

Türkei/Deutschland/Niederlande 2009.
R, B: Asli Özge. Mit: Fikret Portakal,
Murat Tokgöz, Umut Ilker, Cemile Ilker.
90 Min. FSK: 12, ff

 

 

Eclipse- Biss zum Abendrot (USA 2010)

Dritte Episode der "Twilight"-Saga nach den Bestsellervorlagen von Stephenie Meyer. Die schöne Bella (Kristen Stewart) befindet sich im Zwiespalt: Soll sie ihrem coolen Vampir Edward (Robert Pattinson) treu bleiben oder dem Liebeswerben des heißblütigen Werwolfs Jacob (Taylor Lautner) nachgeben? Regisseur David Slade lässt es an der prickelnden Eros-Spannung, die vor allem die erste Episode auszeichnete, fehlen, aber Kristen Stewart schenkt der Bella-Figur genügend Zauber, um auch diese Episode ansehnlich zu machen.

epd

Regie: David Slade.
Buch: Melissa Rosenberg
(Romanvorlage von Stephenie Meyer).
Mit Kristen Stewart, Robert Pattinson,
Taylor Lautner, Ashley Greene, Dakota Fanning.
124 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Lola (Frankreich/ Philippinen 2009)

"Lola" - im philippinischen Tagalog steht dieses Wort für "Ahne". Im Film des philippinischen Regieautoren Brillante Mendoza geht es tatsächlich um zwei Großmütter: Lola Sepa (Anita Linda) wird zu Beginn bei der Trauerfeier für ihren ermordeten Enkel Arnold gezeigt, der beim Raub seines Mobiltelefons getötet wurde. Lola Purings (Rustica Carpio) Enkel sitzt für den Mord an Arnold in Untersuchungshaft. Mendozas Film zeigt in semidokumentarischen Bildern das Tauziehen zwischen diesen beiden Frauen, die, um sich und ihrer Sippe das Weiterleben zu ermöglichen, zu einem Ausgleich untereinander kommen müssen. Die Verhandlungen sind zäh und Manila ist ein Stadtinferno, durch das die beiden Frauen sich nur mühsam einen Weg schlagen, doch am Ende erweist es sich fast als Segen, dass in dieser zwanghaft materialistischen Welt selbst die Trauer einen bezifferbaren Tauschwert hat.

epd

Regie: Brillante Mendoza.
Buch: Linda Casimiro.
Mit: Anita Linda, Rustica Carpio,
Tanya Gomez, Jhong Hilario, Ketchup Eusebio

 

 

Männer al dente (Italien 2010)

Als Tommaso (Riccardo Scamarcio) aus Rom in seine Heimatstadt in Apulien zurückkehrt, will er reinen Tisch machen - er plant sein Coming-out. Um einen richtigen Familienskandal auszulösen, sucht er sich als Setting dafür das Geschäftsessen aus, bei dem sein Vater ihm und seinem Bruder Antonio (Alessandro Preziosi) die Nudelfabrik übergeben will. Voller Vorfreude erzählt Tommaso Antonio von seinem Plan. Die Folge ist jedoch, dass Antonio ihm mit dem eigenen Coming-out zuvorkommt. Das Bekenntnis trifft den Vater so sehr, dass er einen Infarkt erleidet und Tommaso sich deshalb dazu gezwungen fühlt, in die Rolle des "normalen" Sohnes zu schlüpfen und das Familienunternehmen weiterzuführen. Eine konventionell, aber liebevoll inszenierte Komödie, die auf wunderbare Weise die Uneindeutigkeit der Gefühle feiert. Ferzan Özpetek ließ sich von einer wahren Geschichte zu dem Drehbuch inspirieren.

epd

Regie: Ferzan Özpetek.
Buch: Ivan Cotroneo, Ferzan Özpetek.
Mit: Riccardo Scamarcio, Nicole Grimaudo,
Alessandro Preziosi, Ennio Fantastichini,
Lunetta Savino, Elena Sovia Ricci, Ilaria Occhini.
116 Min

 

 

New York Memories (Deutschland 2010)

Der Dokumentarfilm von Rosa von Praunheim zeigt seine eigene Rückkehr nach New York, der Stadt, in der Praunheim über mehr als vier Jahrzehnte immer wieder gelebt, geliebt und gearbeitet hat. Mit wehmütigem Blick flaniert er durch die Straßen von heute auf Spurensuche nach der verlorenen Zeit. Verschwunden oder an den Rand gedrängt scheint der frühere Underground aus Kunst, Burleske und Sex, den Praunheim so liebte. Blitzlichtartig sind Aufnahmen aus alten, in New York entstandenen Praunheim-Filmen in das neue Werk einmontiert. Eine Collage aus gestern und heute entsteht so, mit einem Blick auf morgen. So zeigt die Dokumentation zum Beispiel, was aus den beiden Mädchen Anna und Claudia geworden ist, die in Praunheims Film "Überleben in New York" 1989 porträtiert wurden. Sie sind geblieben, Anna jedoch plant, aus Gründen der Altersabsicherung nach Görlitz zu ziehen.

epd

Regie, Buch: Rosa von Praunheim.
Mit: Anna Steegmann, Roman Pitio,
Claudia Steinberg, Barbara Epler, Marie & Lucie Pohl u.a.
92 Min. FSK: 12,ff.

 

 

 

Mahler auf der Couch (Deutschland/Österreich 2010)

In enger Zusammenarbeit mit seinem Sohn Felix hat Regisseur Percy Adlon einen Film über eine Begegnung zwischen dem Komponisten Gustav Mahler und dem Psychoanalytiker Sigmund Freud produziert. Und es macht Spaß, die beiden schrägen Vögel zu beobachten, wie sie grüblerisch, aber auch verzweifelt durch die Gassen von Leyden wandeln, die einem Seelenlabyrinth gleichen. Der Gegenstand ihres fiebrigen Räsonierens ist ein unergründliches Wesen: Alma, Mahlers junge Ehefrau, hat ihn gerade betrogen. Mit leidenschaftlichem Impetus und in prächtigen, von Benedict Neuenfels gestalteten¬ Bildern zeigt der Film den Beginn der Moderne: als tragikomische Eheberatung und als Nachdenken über eine große, düstere Liebesgeschichte.

epd

Regie, Buch: Percy und Felix Adlon.
Mit: Johannes Silberschneider,
Barbara Romaner, Karl Markovics, Eva Mattes,
Lena Stolze, Friedrich Mücke, Nina Berten.
105 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Bergfest (Deutschland 2008)

Ann (Anna Brüggemann) und Hannes (Martin Schleiß) wollen auf die Berghütte, die seiner Familie gehört, doch da haben sich schon sein Vater Hans-Gert (Peter Kurth) und dessen junge Freundin Lavinia (Rosalie Thomass) einquartiert. Seit acht Jahren haben sich Vater und Sohn nicht gesehen, und die Frage nach dem Warum ist das Thema dieses Films. Eigentlich will Hannes sofort abreisen, als er bemerkt, dass die Hütte schon besetzt ist, doch Ann votiert für das Bleiben, weil sie hofft, einen Schlüssel für ihre Probleme mit ihm zu finden. Die Geschichte vom verlorenen Sohn wird zu einem emotionalen Katz- und Mausspiel. In der Abgeschiedenheit der Berghütte kommen die Verletzungen der Vergangenheit ans Licht. Auch wenn vieles aufgesetzt und mitunter hölzern wirken mag: Man kommt nicht umhin, den Mut und auch die Konsequenz zu bewundern, mit der der junge Regisseur Florian Eichinger sein Beziehungsdrama in einem Labor der Gefühle realisiert hat.

epd

Regie, Buch: Florian Eichinger.
Mit: Martin Schleiß, Peter Kurth,
Anna Brüggemann, Rosalie Thomass.
89 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Mr. Nobody (Frankreich/Deutschland/Kanada/Belgien 2009)

"Mr. Nobody" handelt von einem Mann, der sich am Ende seiner Tage fragt, ob er das richtige Leben geführt hat: Im Jahr 2092 ist der 120 Jahre alte Nemo Nobody (Jared Leto) der letzte sterbliche Mensch in einer Welt, in der niemand mehr stirbt. Kurz vor seinem Tod hält er eine Rückschau auf sein Leben und geht der Frage nach, wie es verlaufen wäre, hätte er in bestimmten Situationen andere Entscheidungen gefällt. Mit bedeutungsschwangerem Gestus breitet der belgische Regisseur Jaco Van Dormael ("Toto, der Held"), der seit 13 Jahren keinen Film gedreht hat, die Varianten von Nemo Nobodys Leben vor uns aus. Allerdings wirkt "Mr. Nobody" wie ein Patchwork aus Einfällen, die andere schon gehabt haben.

epd

Regie, Buch: Jaco Van Dormael.
Mit: Jared Leto, Sarah Polley, Diane Krüger,
Rhys Ifans, Natasha Little.
139 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Please Give (USA 2010)

Kate (Catherine Keener) hat Mann, Kind, ein Antiquitätengeschäft und wenig Sorgen. Die Lebenszufriedenheit aber scheint ihr aufs Gewissen zu schlagen: Um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, bemüht sie sich beständig, "gut" zu sein. Dazu gehört es, angemessene Preise zu bezahlen, wenn sie für ihren Laden auf Beutezug geht. Oder der Tochter beizubringen, dass das Leben auch ohne Markenartikel lebenswert ist. Mit ihrem Mann Alex (Oliver Platt) verbindet Kate eine routinierte Beziehung - von seiner Affäre weiß sie nichts. Bloß die alte Nachbarin passt nicht ins Bild. Sie "blockiert" nämlich ein Apartment, das Kate und Alex gekauft haben, um ihre eigene Wohnung zu erweitern. Mit leisem Witz, episodisch und doch genau erzählt Regisseurin Nicole Holofcener ("Friends With Money") von weiblichen Lebensentwürfen in postfeministischen Zeiten.

epd

Regie, Buch: Nicole Holofcener.
Mit: Catherine Keener, Amanda Peet,
Oliver Platt, Rebecca Hall.
87 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung, ff.

 

 

Für immer Shrek (USA 2010)

Im vierten Teil der Filmreihe über den grünen Oger namens Shrek muss sich dieser mit den Problemen des Alltags auseinandersetzen. Der Nachwuchs hält ihn und seine große Liebe Fiona auf Trab. Als Shrek ein verlockendes Angebot des hinterlistigen Rumpelstilzchens annimmt, bringt ihn eine Zeitreise zu dem Punkt, an dem einmal alles begann.
"Für immer Shrek" enthält nicht nur unter¬haltsame Scriptideen und pointierte Dia¬loge: Auch der Sound mit viel Popmusik und nicht zuletzt eine gewisse Eleganz im Umgang mit den visuellen Reizen der 3-D-Animation machen das Shrek-Finale zu einem unterhaltsamen Kinderspaß.

epd

Regie: Mike Mitchell.
Buch: Josh Clausner, Darren Lemke.
Deutsche Sprecher: Esther Schweins, Sascha Hehn,
Benno Fürmann, Marie-Luise Marjan.
93 Min. FSK: 6

 

 

The Doors - When You`re Strange (USA 2009)

Viel wurde bereits geschrieben und gesagt über die Geschichte der Doors, über die Exzesse ihres jung verstorbenen Sängers Jim Morrison vor allem, aber auch über die musikalische Bedeutung der Band. Regisseur Tom DiCillo ("Living in Oblivion", "Echt blond") verrät in seinem Dokumentarfilm zumindest den Fans nicht viel Neues. Stattdessen verlässt sich für sein Doors-Porträt ausschließlich auf historisches, zum Teil nie gesehenes Filmmaterial und die ruhige Erzählerstimme von Johnny Depp. Auch die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe reißt DiCillo nur an. Doch ihm gelingt eine atmosphärische Spiegelung der Zeit in der Musik - und umgekehrt.

epd

Regie, Buch: Tom DiCillo.
Mit: Jim Morrison, John Densmore,
Robby Krieger, Ray Manzarek.
Erzähler: Johnny Depp. 86 Min.

 

 

Women Without Men (Deutschland/Österreich/Frankreich 2009)

Sommer 1953: Der Iran wird von einer schweren Regierungskrise und einem Putsch, hinter dem der Schah und die USA stehen, erschüttert. Dabei kommen mehr als 200 Menschen ums Leben, unzählige werden verletzt. Vor diesem Hintergrund erzählt der Film von vier starken Frauen in der Hauptstadt Teheran. Die junge Munis beispielsweise wird von ihrem Bruder beherrscht, möchte aber gerne am politischen Leben teilnehmen. Ihre Freundin Faezeh verlässt die Stadt als entehrte und vergewaltigte Frau. In opulenten Bildern zeigt Shirin Neshat die Suche der Frauen nach einer Zukunft.

epd

Regie, Buch: Shirin Neshat, Shoja Azari.
Mit: Pegah Ferydoni, Arita Shahrzad,
Shabnam Toloui, Orsolya Tóth.
99 Min. FBW: besonders wertvoll.

 

 

Jungs bleiben Jungs (Frankreich 2009)

Die beiden französischen Jungs Hervé (Vincent Lacoste) und sein Freund Camel (Anthony Sonigo) werden von Hormonschüben und dem Drang nach ersten Erfahrungen mit Mädchen geplagt. Die nicht retuschierten Fotos im Miederwarenteil alter Versandhauskataloge stehen hoch im Kurs, aber auch der halbnackte Anblick der Nachbarin im Neubaublock gegenüber. Den aufgesetzten Körpersäfte-Humor von American Pie hat "Jungs bleiben Jungs" dabei nicht nötig. Riad Sattouf zeigt in seinem Regie¬debüt, dass die Franzosen auch 30 Jahre nach dem Klassiker "La boum - Die Fete" einen ganz eigenen Blick auf die heiße Phase der Pubertät haben können.

epd

Regie: Riad Sattouf.
Buch: Riad Sattouf, Marc Syrigas.
Mit: Vincent Lacoste, Anthony Sonigo,
Alice Trémolière, Noémie Lvovsky, Emmanuelle Devos.
88 Min. FSK: 12, ff.

 

"Mein Name ist Khan" (Indien 2010)

Der indische Schauspielsuperstar Sha Rukh Khan in seiner Rolle als autistischer Einwanderer in den USA erobert das Herz der alleinerziehenden Friseurin Mandira. Doch der 11. September 2001 hat tragische Folgen für das junge Glück: Mandiras Sohn wird wegen Khans muslimischem Glauben angefeindet und erschlagen, woran die Familie schließlich zerbricht. Khan begibt sich auf die Reise durch die USA, weil er den Präsidenten treffen will, um ihm sagen zu können: "Mein Name ist Khan. Ich bin kein Terrorist." Die Übergänge zwischen tränennassem Melodrama, tänzelnder Liebeskomödie und moralischem Verbesserungskino mit Weltfriedensbotschaft finden schneller statt als die Garderobenwechsel der Hauptdarsteller.

epd

Regie: Karan Johar.
Buch: Shibani Bathija.
Mit: Shah Rukh Khan, Kajol, Shane Harper,
Christopher B. Duncan.
126 Min. FSK: 12, ff.

 

 

Mammut (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Leo (Gael Garcia Bernal) ist ein mit Computerspielen reich gewordener Erfinder, seine Frau Ellen (Michelle Williams) Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Das New Yorker Paar hat wenig Zeit für Tochter Jackie, aber dafür ein philippinisches Kindermädchen namens Gloria. Diese wiederum musste ihre zwei kleinen Jungs bei der Großmutter auf den Philippinen zurücklassen. In Parallelhandlungen verschränkt der Film Geschichten aus erster und dritter Welt. Regisseur Lukas Moodysson ("Raus aus ÅmÅl") zeigt, wie Globalisierung die Völker einerseits zusammenführt und weltweit größeren Reichtum produziert, aber einen sehr hohen Preis dafür verlangt. Leider gerät ihm dabei einiges zu klischeehaft.

epd

Regie, Buch: Lukas Moodysson.
Mit Gael Garcia Bernal, Michelle Williams,
Marife Necesito, Sophie Nyweide
125 Min.

 

 

Ich, Tomek (Polen/Deutschland 2009)

Der 15-jährige Tomek lebt gemeinsam mit seinen Eltern nahe der deutsch-polnischen Grenze. Die triste Wohnung ist klein, das Verhältnis zum arbeitslosen Vater, zur überforderten Mutter und zur tagträumenden Schwester gespannt. Tomek (Filip Garbacz) aber will es weiterbringen. In einem Ort, in dem deutsche Männer in teuren Autos vorfahren, um Sex für Euros zu kaufen, sind die Perspektiven allerdings begrenzt. Überzeugend stellt der jugendliche Schauspieler Filip Garbacz die Entwicklung des kleinen Tomek vom sensiblen Knaben zum scheinbar abgebrühten Stricher und Zuhälter dar. Glinskis Film ist mehr als eine Sozialstudie. Er zeigt ohne eitlen formalen Ehrgeiz das Geschäft mit der Kinderprostitution, die Mechanismen und die Profiteure. Sein Hauptdarsteller macht diesen kleinen Film zum Ereignis.

epd

Regie: Robert Glinski.
Buch: Joanna Didik, Robert Glinski.
Mit Filip Garbacz, Anna Kulej,
Daniel Furmaniak, Rolf Hoppe.
94 Min. FSK: 16, ff. FBW: besonders wertvoll.

 

 

Marcello, Marcello (Schweiz/Deutschland 2008)

Ein süditalienisches Hafendorf in den 60er Jahren: Marcello verleibt sich in die schöne Elena und will ihr zuliebe an ihrem 18. Geburtstag bei einem altertümlichen Brauch mitmachen: Wer ihrem Vater, dem Bürgermeister, das beste Geschenk macht, darf Elena für einen Nachmittag ausführen. Es heißt, dass so die meisten Ehen im Ort gestiftet wurden. Um dem Vater eine besondere Gabe bringen zu können, beginnt Marcello einen Tauschhandel, der nach und nach fast das gesamte Dorf einbezieht. Wie zufällig deckt er dabei auf, was die Menschen im tiefsten Innern umtreibt, all die verborgenen Sehnsüchte und alten Kümmernisse, die sich in Gegenständen materialisieren. Leider inszeniert der Schweizer Regisseur Dennis Rabaglia ("Azurro") seine Romanvorlage allzu sehr als drollige Kindergeschichte. Das malerisch konservierte Dorf, ganz in den italienischen Eisfarben Vanille, Zitrone und Erdbeer gehalten, versprüht allerdings den nostalgischen Charme einer Postkarte.

epd

Regie: Denis Rabaglia.
Buch: Denis Rabaglia, Luca De Benedittis.
Mit Francesco Mstichelli, Elena Cucci,
Luigi Petrazzuolo, Renato Scarpa.
97 Min. FSK: 0, ff.

 

 

 

The Messenger (USA 2009)

In "The Messenger" überbringen Ben Foster und Woody Harrelson den Angehörigen von gefallenen Soldaten die Nachricht vom Tod in US-Kriegseinsätzen. Oren Moverman zeigt in seinem beeindruckenden Regiedebüt den Schrecken des Krieges jenseits von krachenden Feuergefechten. Harrelson gibt den erfahrenen Berufssoldaten Tony Stone, der die Todesmitteilungen mit professioneller Distanziertheit überbringt. Foster als junger Soldat Will Montgomery kann dagegen sein Mitgefühl nicht verbergen und beginnt eine Beziehung mit der jungen Soldatenwitwe Olivia (Samantha Morton). Die Stärke des Films liegt in seiner Nüchternheit und den eindringlichen Leistungen der Schauspieler. Moverman enthält sich eines eindeutigen politischen Statements; er zeigt Respekt vor den Soldaten, ohne sie zu heroisieren.

epd

Regie: Oren Moverman.
Buch: Alessandro Camon, Oren Moverman.
Mit: Ben Foster, Woody Harrelson,
Samantha Morton, Jena Malone.
112 Min.

"The Messenger" ist Film des Monats Juni der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

 

 

Vergebung (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009)

Der besondere Reiz von Stieg Larssons "Millennium"-Thrillern basiert nicht zuletzt auf der Teamarbeit zwischen dem ruppigen Energiebündel Lisbeth (Noomi Rapace) und dem investigativen Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist). Im letzten Teil der Trilogie ist Lisbeth lebensgefährlich verletzt, zunächst an ihr Krankenbett gefesselt und landet vor Gericht. Nun liegt es an Blomkvist, den Ruf seiner Zeitschrift wiederherzustellen. Unterstützung erhält der Enthüllungsjournalist unter anderem von Lisbeths fürsorglichem Arzt, dem Hacker Plague sowie dem schwedischen Geheimdienst. Regisseur Daniel Alfredson liefert 148 Kinominuten voller Wucht ab und entwirft in schwedischer Krimitradition ein düsteres Gesellschaftsporträt.

epd

Regie: Daniel Alfredson.
Buch: Ulf Rydberg (Romanvorlage von Stieg Larsson).
Mit: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Jacob Ericksson.
146 Min. FSK: 16, ff.

 

 

Das Lied von den zwei Pferden (Deutschland 2009)

Die Mongolei ist ein geteiltes Land, hier die Großstadt mit ihren Hochhäusern und dem Müll, dort wunderschöne Landschaften und eine noch authentische Hirtenkultur. Der Zuschauer begleitet die Sängerin Urna, die von der Inneren in die Äußere Mongolei reist, um die zerbrochene Pferdekopfgeige ihrer Großmutter reparieren zu lassen. Stand in Byambasuren Davaas Überraschungserfolg "Die Geschichte vom weinenden Kamel" das Dokumentarische im Vordergrund, so ist "Das Lied von den zwei Pferden" eher ein Spielfilm mit Doku-Elementen. Mit der Wehmut der Emigrantin spürt die Regisseurin der musikalischen Tradition des Landes nach. Ihr Film erzählt dabei nicht nur vom Verlust der Tradition - er ist selbst ein Zeugnis der Entwurzelung.

epd

Regie, Buch: Byambasuren Davaa.
Mit: Urna Chahar-Tugchi,
Hicheengui Sambuu, Chimed Dolgor.
90 Min., OmU. FSK: 0, ff.

 

 

Forgetting Dad (Deutschland 2006-2008)

Der Filmemacher Rick Minnich geht der Frage nach, warum sein Vater Richard nach einem harmlosen Verkehrsunfall plötzlich und ohne erkennbaren Grund sein Gedächtnis verlor. Im Moment der größtmöglichen Nähe zwischen Vater und Sohn wandelt sich der Film von einer versuchten Annäherung in eine regelrechte Recherche: Die Krankheit des Vaters ist medizinisch weder erklär- noch nachweisbar, brachte ihm aber eine Entschädigung von 350.000 Dollar ein. Hat er sich, nachdem er seinen Arbeitsplatz verloren, mehrere Geschäftsideen in den Sand gesetzt und sich finanziell selbst ruiniert hatte, erfolgreich der Verantwortung entzogen und sein ganzes Leben einfach vergessen? Darauf gibt der Film keine Antwort - und gerade deshalb wirkt dieses sehr persönliche dokumentarische Experiment besonders gelungen.

epd

Regie, Buch: Rick Minnich, Matt Sweetwood.
84 Min. FBW: besonders wertvoll

 

 

La Pivellina (Italien/Österreich 2009)

Patti ist eine in die Jahre gekommene Zirkusfrau mit feuerrot gefärbtem Haar. Mit ihrem Mann wohnt sie im Winter in einer Wagenburg von Zirkusleuten am Stadtrand Roms. Auf der Suche nach ihrem entlaufenen Hund findet sie in einem Park ein kleines Mädchen und beschließt kurzerhand, sich um la Pivellina, die Kleine, zu kümmern. Mit der Hilfe des Teenagers Tairo macht sich Patti auf die Suche nach der Mutter des Kindes. An Original-schauplätzen und mit Laiendarstellern gedreht, erzählt der erste Spielfilm des Dokumentaristenpaars Tizza Covi und Rainer Frimmel vom Leben am Rande der italienischen Gesellschaft. Mit einer minimalen Handlung, improvisierten Dialogen und halbdokumentarischen Bildern ist "La Pivelina" eine engagierte Milieustudie und wurde bereits mehrfach auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet.

epd

Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel.
Buch: Tizza Covi. Mit: Tairo Caroli,
Asia Crippa, Patrizia Gerardi, Walter Saabel.
105 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung, ff.

 

 

Tandoori Love (Deutschland/Schweiz/Österreich 2008)

In "Tandoori Love" mischt der Schweizer Regisseur Oliver Paulus Heimatfilmmotive mit Hindi-Kino. Biedere Alpen-Romantik trifft auf bonbonbunten Bollywood-Kitsch. Ein indisches Filmteam dreht eine Liebesschnulze vor Alpenkulisse im Berner Oberland. Und nicht nur im Film sorgt die Liebe für allerlei Irrungen und Wirrungen. Der persönliche Koch der Filmcrew, Rajah, verliebt sich beim Einkaufen augenblicklich in die Schweizerin Sonja, die als Kellnerin in einem gutbürgerlichen Wirtshaus arbeitet. Um ihr nahe zu sein, lässt Rajah sich im Gasthaus als Koch einstellen und begeistert dort mit kulinarischer Finesse, während am Set das Chaos ausbricht. Eine unterhaltsame Romanze, garniert mit indischen Tanzeinlagen und schöner Food-Fotografie: Das möchte man essen.

epd

Regie: Oliver Paulus.
Buch: Stefan Hillebrand, Oliver Paulus.
Mit: Lavinia Wilson, Vijay Raaz, Martin Schick,
Shweta Agarwal, Tamal Raichowdhurry, Max Rüdlinger.
96 Min. FSK: ab 6, ff.

 

 

Postcard to Daddy (Deutschland 2009)

Von außen betrachtet sind die Stocks eine Familie wie jede andere: alles ganz nett hier. Doch der Scheint trügt. Acht Jahre lang, bis zu seinem 16. Lebensjahr, wurde Michael, der jüngste der Familie, von seinem eigenen Vater sexuell missbraucht. Niemand hat es bemerkt, nicht einmal seine Mutter oder seine Geschwister. Seitdem ist viel Zeit vergangen, Michael Stock ("Fucking Different") ist Filmemacher geworden, das Thema blieb aber jahrelang tabu. "Postcard to Daddy" ist Stocks Versuch, sein Kindheitstrauma zu verarbeiten. In Gesprächen mit der Familie und Videobotschaften an den Vater spricht Stock über den sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit. Ein ehrlicher und persönlicher Dokumentarfilm über ein brutales und sehr aktuelles Thema.

epd

Regie: Michael Stock.
Buch: Michael Stock.
84 Min. FSK: ab 16, ff.

 

 

Die Eroberung der inneren Freiheit (Deutschland 2009)

Seit zehn Jahren läuft in der Berliner JVA ein weltweit einmaliges Projekt. In "Sokratischen Gesprächen" reflektieren Langzeitinhaftierte über sich und ihre kriminelle Vergangenheit mit dem Ziel, ihr Wertesystem zu hinterfragen und die Meinung anderer akzeptieren zu lernen. Die Dokumentation vom Regieduo Silvia Kaiser und Aleksandra Kumorek ("Die Überflüssigen") begleitet das ambitionierte Projekt hinter Gittern. Zwischen den Gesprächsrunden gibt der Film Einblicke in die Mechanismen des Gefängnisses, zeigt Szenen aus dem Alltag der Häftlinge. In intimen Interviews sprechen die Männer über heimliche Wünsche, verdrängte Sehnsüchte, aber auch über Schuldgefühle und Angst. "Die Eroberung der inneren Freiheit" ist eine einfühlsame und durchaus ambivalente Dokumentation über das Leben auf der anderen Seite der Gitterstäbe.

epd

Regie: Silva Kaiser, Aleksandra Kumorek.
Buch: Silva Kaiser, Aleksandra Kumorek.
83 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung, ff.

 


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Quelle: chrismon.de
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[Stand: Dienstag, 31. August 2010 14:09 Uhr]

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