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Charles Darwin

07/2009


Charles Darwin.

Der Denker der Evolutionstheorie konnte Rassisten nicht leiden und engagierte sich sehr in seiner Kirchengemeinde 

 

Der Pfarrer von Down war schlecht bezahlt worden. Wohl deshalb zog er fort, als er 1862 ein Grundstück in Schottland erbte. An seinen Nachfolgern hatte die Kirchengemeinde bei London keine Freude. Der eine war kaum da. Der andere klaute Spendengeld. Von einem dritten hieß es, er stelle jungen Frauen nach. Für die Kirchengemeinde eine desolate Lage. Zum Glück half ein prominenter Bürger des Dorfes, die Geschäfte seiner Pfarrei wieder zu ordnen: Charles Darwin, Naturforscher, Schatzmeister der anglikanischen Gemeinde zu Down und enger Freund des weggezogenen Pfarrers.
Unter Wissenschaftlern hatte sich Darwin schon in den 1830er Jahren einen Namen gemacht, als er von einer fast fünf­jährigen Weltumseglung heimgekehrt war. Er hatte Pflanzen und Tiere entlang der süd­amerikanischen Küste und auf Pazifik­inseln gesammelt und beschrieben. Anschließend entwickelte er seine Theorie von der natürlichen Auslese, die er 1859 in seinem bahnbrechenden Buch "Über die Entstehung der Arten" veröffentlichte. Damit war Charles Darwin weltberühmt.
Vier Jahre lang vermittelte er nun also zwischen unfähigen Pfarrern und der Ortsgemeinde. Schließlich kam ein neuer Pastor, der keinen Skandal verursachte. Aber es menschelte weiter in Down. Dieser Pfarrer verstand sich gar nicht mit der Familie Darwin: Antipathie auf Gegenseitigkeit.
Charles Darwin war als Kind einer frommen Kirchgängerin und eines in Glaubensdingen eher skeptischen Arztes aufgewachsen. Als ihn das Medizinstudium langweilte, riet ihm der Vater, Theologie zu studieren und Landpfarrer zu werden - auch, weil er dann Zeit und Geld für sein wahres Interesse habe, die Heimat- und Naturkunde. Was Charles tat. Sein Theologiestudium schloss er 1831 als Zehnt­bester von 178 Studenten seines Jahrgangs ab - im gleichen Jahr trat er die Weltreise auf der Beagle an. Darwin interessierte vor allem Naturtheologie - und Mitmenschlichkeit, auch wenn er mit manchem moralischen Urteil ein Kind seiner Zeit blieb. Während seiner Forschungsreise verteidigte er Missionare auf Tahiti gegen die Angriffe eines Zeitgenossen. Diese Missionare hätten viel dazu beigetragen, den moralischen Charakter der Ureinwohner zu bessern, schrieb Darwin Ende 1835 an seine Schwester Caroline - mit einer unter Liberalen damals verbreiteten paternalistischen Haltung.
Darwin unterstützte den Kampf seiner Schwester Susan dagegen, Siebenjährige als Schornsteinfeger einzusetzen, die durch den Schlot klettern mussten. Zuwider war ihm auch der Missbrauch der Wissenschaft für rassistische Theorien. So empörte er sich über einen Schweizer Kollegen, der in den USA Vorlesungen über angebliche ­Eigenschaften verschiedener menschlicher Spezies hielt. Dessen Lehren fielen "sehr zur Genugtuung der Sklavenhalter in den Südstaaten" aus, schimpfte Darwin.
Er teilte den traditionellen Glauben seiner Frau Emma nicht, aber er respektierte ihn. "Mama möchte, dass du die Bibel sehr gründlich liest; und der guten alten Mammy muss gehorcht werden", schrieb er seinem ältesten Sohn William, der in Cam­bridge studierte. Die Ehepartner Darwin konnten religiöse Heuchelei nicht ausstehen. In einem Brief an seine Frau machte er sich über eine betont tugendhafte Dame lustig, die sich bei einer Kutschfahrt lauthals über Familiengebete ausließ und dann demonstrativ ein religiöses Traktat und einen dicken Bleistift zur Hand nahm.
Schon 1844 schrieb Darwin einem Kollegen, er sei überzeugt, "dass die Spezies nicht unveränderlich sind (mir ist, als gestände ich einen Mord)". Da war ihm seine Theorie vom Kampf ums Überleben bereits klar. 1851 starb seine zehnjährige Tochter Anne an Tuberkulose. Darwin war tief traurig. Der sinnlose Tod bestätigte ihm, wie grausam die Natur ist.
Später, als Darwin bereits berühmt, war, schrieb ihm eine gewisse Mary Boole, sie könne sich nicht vorstellen, dass sich seine Theorie gegen die Religion richte. Darwin widersprach nicht. Aber er antwortete: Für ihn sei es tröstlicher, die Welt als Folge von Ereignissen anzusehen, die nicht auf das Eingreifen eines Gottes zurückgehen. Zu viele Lebewesen zögen im Kampf ums ­Dasein den Kürzeren. Und er empfahl: Theologie und Naturforschung sollten jeweils eigene Wege gehen.

Burkhard Weitz


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Quelle: chrismon.de
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[Stand: Donnerstag, 11. März 2010 17:20 Uhr]

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