Erledigt
Frau Otts endgültige Ablage.
Diesmal: Achtsamkeit
Ursula Ott
Es gibt Tugenden, die heißen Respekt. Aufmerksamkeit. Zuwendung. Sie haben sich sehr bewährt. Warum nur müssen sie neuerdings mit der Psychovokabel "Achtsamkeit" aufgehübscht werden? Weil ein bisschen Buddhismus nichts schaden kann im Supermarkt der Religionen? Weil "Persönlichkeitsentwicklung durch Achtsamkeit: eine nachhaltige Investition" einfach besser klingt als dasselbe auf Deutsch übersetzt? So heißt nämlich ein Managerseminar, also etwa: Wir haben jetzt auch noch einen Japaner eingekauft, das macht das Seminar natürlich teurer - aber du kannst es ja von der Steuer absetzen. Klingt nicht so gut.
Was ist das überhaupt, Achtsamkeit? Für die Buddhisten ist es eine der "fünf Fähigkeiten", nämlich die, ganz bewusst in der Gegenwart zu sein. Sie wissen schon: "Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich..." Für die Buddhisten unter uns - prima Idee, keine Frage.
Aber was ist mit den anderen? Warum muss die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bislang nicht vom Dalai Lama geleitet, ihre Unterrichtsbroschüre "Achtsamkeit und Anerkennung" nennen"? Und was genau meinte Exbundespräsident Horst Köhler in seiner letzten Weihnachtsansprache mit der "Kultur der Achtsamkeit"? Er sprach den Amoklauf in Winnenden und den Tod von Dominik Brunner an. Da brauchen wir aber keine "Kultur der Achtsamkeit" oder ihre modische Nachfolgerin, die "Kultur des Hinsehens". Da brauchen wir Menschen, die was tun! Sich einmischen! Den Hintern hochkriegen! Horst Köhler hat ja dann die Kultur des Rücktritts eingeläutet. Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Übrigens gibt es Achtsamkeitstraining mittlerweile nicht nur für Manager, Schüler und Bundespräsidenten, sondern auch für Hunde. "Dadurch", schreibt die Achtsamkeit-Schule für Hund und Mensch, "haben Sie und Ihr Hund eine gemeinsame Basis." Vortrag B aus dem Hundetraining heißt: "Hilfe, ich lebe in einer Welt von Menschen, die mich nicht verstehen." Dabei, Hasso, ist es doch ganz einfach: Wenn ich belle, dann belle ich. Wenn ich beiße, dann beiße ich.
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Und eine gut lesbare biografische Skizze zu "Philipp Melanchthon, Weggefährte Luthers und Lehrer Deutschlands".
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