Buchtipps

3. Quartal 2008



Tom Drury: Die Traumjäger

Das Pflegekind Lyris wird von den frommen "Home Bringers" zu seiner leiblichen Mutter gebracht. Deren kleine Familie gerät aus der Balance, und die Helden sind am Ende gerade die Teile der Patchworkfamilie, die nicht die Gene mit dem Mädchen teilen. Aber die Liebe. Sehr amerikanisch: Immer kommt einer an oder fährt einer weg.

Klett-Cotta, 19,90 Euro

 

 

Michael Prang, Nicole Franz: Der richtige Arzt für mich. Eine Gebrauchsanweisung

Darf mich die Hausärztin stundenlang warten lassen? Darf mir die Arzthelferin meine Unterlagen verweigern, nur weil ich den Arzt wechseln möchte? Verdienen ÄrztInnen nicht sowieso viel zu viel? So mancher Unmut schwelt zwischen ÄrztInnen und PatientInnen. Dieses Buch des Arztes und Medizinjournalisten Prang will dem abhelfen. Man sollte sich allerdings vom Titel "Der richtige Arzt für mich. Eine Gebrauchsanweisung" nicht fehlleiten lassen, denn das schmale Buch ist kein klassischer Patientenratgeber, birst also nicht vor Information, sondern bringt nur die wesentlichen Infos unterhaltsam rüber. Neben allerlei Launigem erfährt man aber doch, wie eine gute Praxis organisiert ist, dass ÄrztInnen tatsächlich eine Krankschreibung verweigern dürfen und warum eine Blutdruckmessung alle paar Wochen dem Arzt Geld bringt, dem Patienten aber nichts nützt. Alles in allem trägt das Büchlein sicher zu größerem Veständnis gegenüber ÄrztInnen, aber auch zu mehr Selbstbewusstsein der PatientInnen bei.

cho

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2008, 123 Seiten, 7,95 Euro

 

 

Anke Seyfried u.a.: Fünfzig plus und jetzt arbeitslos

Ein Buch, zielgenau geschrieben für Menschen, die mit über Fünfzig arbeitslos werden - klasse! Entstanden ist es aus einer Kooperation der Verbraucherzentralen mit der ARD (Ratgeber Geld). Der Ratgeber lotet - Schritt für Schritt - jede Situation aus nach Handlungsmöglichkeiten. Angefangen ab Zugang der Kündigung: wie man dagegen vorgehen kann, welche Rolle der Betriebsrat hier spielt, wie ein Arbeitsgerichtsverfahren abläuft... Dann, nächster Schritt, wie man mit dem Arbeitgeber verhandeln kann. Darüber, wie eine betriebsbedingte Kündigung doch noch zu vermeiden wäre oder, wenn das nicht möglich ist, wie man, sofern man eine Abfindung bekommt, Steuern sparen kann. Dann alles rund um die Arbeitsagentur, den Kassensturz, um mit weniger Geld auszukommen, und schließlich die Rasterfahndung nach einem neuen Job. Dort finden sich auch so schöne Tipps wie dieser: Um wirklich breit zu streuen, dass man auf der Suche ist, könnte man vielleicht ja das längst überfällige Klassentreffen organisieren!

cho

Verlag Verbraucherzentrale NRW, Düsseldorf 2008, 192 Seiten, 9,90 Euro

 

 

Jessica Weiner: Sehe ich dick darin aus?

Nein, das Leben beginnt nicht erst, wenn man fünf Pfund weniger wiegt. Das ahnen die meisten irgendwie, aber für sich selbst erwarten sie ein besseres Lebensgefühl eben erst bei einem deutlich geringeren Gewicht. Die amerikanische Autorin Jessica Weiner zeigt, was hinter der Verbitterung über das eigene Aussehen steckt,  wie man verdrängten Ängsten und Wünschen auf die Spur kommt und wie man sich in seinem Körper wohlfühlen kann. Das fängt bei dem Vorschlag an, alle Stücke aus dem Kleiderschrank zu entfernen, in die man nicht mehr reinpasst, geht über Tipps, was man sagen kann, wenn die Kolleginenn beim Mittagessen nur über Diäten reden, bis zu den hilfreichen Dialogvorschlägen, wenn die Freundin zum zehnten Mal am Abend sagt, wie dick sie doch sei. Dabei kommt das Buch menschenfreundlich daher, keinesfalls besserwisserisch oder diktatorisch.

cho

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2008, 208 Seiten, 9,90 Euro

 

 

Dagmar Giersberg: Und dann? 101 Idee für den Ruhestand

Endlich nicht mehr arbeiten! Doch dann ist der Garten auf Vordermann gebracht, die Diasammlung bestens geordnet, die lang aufgeschobenen Reisen und Besuche sind gemacht - und dann? Dagmar Giersberg hat ein Orientierungsbuch für ältere Menschen geschrieben, die nach einer neuen Aufgabe suchen, vielleicht auch ein wenig Geld zur Rente hinzuverdienen wollen. Man kann an den Beruf anknüpfen, oder man probiert etwas ganz Neues aus, vielleicht etwas, was man bislang vermisst hat. Checklisten helfen beim Brainstorming sowie bei ersten Gesprächen mit gemeinnützigen Organisationen. Die vorgestellten Ideen sind zum Nachahmen gedacht, aber auch als Anregung zum Weiterdenken. Übrigens empfiehlt die Autorin, nicht erst im Ruhestand mit dem Nachdenken anzufangen.

cho

W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2008, 186 Seiten, 14,90 Euro

 

 

Timo Parvela: Ella in der Schule

Wahrlich, dies ist ein fürs abendliche Vorlesen bestens geeignetes Buch für sechs- bis achtjährige Schulkinder: drei Großgeschichten, aufgeteilt in 23 lustige, nicht belastende Kleingeschichten, geschrieben von Timo Parvela, dessen Ella-Bücher in Finnland Kult sind, mit Zeichnungen ergänzt von Sabine Wilharm, die auch den deutschen Harry Potter zeichnet. Erzählt wird aus der Perspektive von Ella. Die hat es in sich. Wenn der Lehrer einen Brief öffnet und dann rot wird und zittrige Hnde kriegt, dann kann es sich ja nur um einen Erpresserbrief handeln. Tut es natürlich nicht, vielmehr ist es ein Liebesbrief von der Lehrerskollegin. Aber Kinder machen sich eben selbst so ihren Reim, meist natürlich auf die Randphänomene im Schulalltag. Parvela schildert mit solchem Witz  die messerscharf logischen Überlegungen der Kinder, dass man als Erwachsene endlich mal nicht fürchten muss, beim Vorlesen noch vor dem Kind einzuschlafen.

cho

Carl Hanser Verlag, München 2007, 143 Seiten, 9,90 Euro

 

 

Wolfgang Bossinger, Wolfgang Friederich: Chanten. Eintauchen in die heilsame Welt des Singens

Singen, vielleicht sogar mit anderen, ach ja! Doch die meisten Chöre sind nur was für eine begrenzte Gruppe von Menschen. Denn dort muss man "richtig" singen, das Leistungsniveau überfordert viele Laien, es geht um künstlerische Aspekte, um Aufführungen ... Und wenn man ein Lied endlich kann und es genießen möchte, soll schon das nächste eingeübt werden. Beim Chanten (sprich: tschanten, eine vom Englischen "to chant" abgeleitete Wortneuschöpfung) dagegen geht es um den Ausdruck von Lebensfreude und um Gemeinschaft; es werden einfachste Melodien gesungen, entwickelt aus Gesängen aller Welt, und die kleinen Melodien werden häufig wiederholt. Das Buch der beiden Musiktherapeuten beschäftigt sich über die Hälfte der Seiten mit lauter Belegen, warum Singen gut tut, mal mehr wissenschaftlich, mal mehr esoterisch. Nützlich ist vor allem die zweite Hälfte, wo es praktisch wird mit Übungen und Liedern. Die beigelegte CD hilft beim Selbersingen mit 20 Liedern sowie Übungen. Übrigens gehört auch der Kanon "Hejo, spann den Wagen an" zu den Favoriten.

cho

Südwest Verlag, München 2008, 112 Seiten mit CD, 19,95 Euro

 

 

Katharina Mahrenholtz/Dawn Parisi: Supermom. Zwischen Kind und Karriere

Witzig UND praktisch UND erleichternd - wenn ein Mutti-Ratgeber als solche Mischung daherkommt, das lässt man sich dann doch mal gefallen. Kind und Job, und dann auch noch Quality-Time mit dem Mann, gar mit sich selbst? Kaum schaffbar. Gelegentlich schon, findet Autorin Mahrenholtz, Kulturredakteurin beim NDR und selbst zweifache Mutter. Sie macht Mut zur Lücke (immer zwei Gläschen Kinderbrei im Schrank haben, immerhin ein gesundes Fertiggericht, und auch ältere Kinder spielen gern mal Baby; und der schnäkelige Essensgast Karl-Friedrich bekommt einfach nur Nudeln, sowie ein Eis zum Nachtisch - das  spart Nerven und erhält die Kinderfreundschaft). Und Mahrenholtz macht Mut zum (vorübergehenden) Spießertum: Die Verführungsrezepte in Frauenzeitschriften für sexlose Elternpaare sind nicht umzusetzen, so die Autorin, nur sollte man nicht zappend vor dem Fernseher einschlafen, sondern wenigstens, wenn der Gang zur Videothek schon zu mühsam ist, eine DVD aus dem Netz runterladen. Und auch mal Freunde zu sich einladen, gern unaufwendig auf Bier oder Wein NACH dem Abendessen; sogar auf geeignete Gesellschaftsspiele für Spielmuffel weist das Buch hin. Dass das Lesen des Bändchens selbst nicht Abende verschlingt, vesteht sich von selbst. Übersichtlich und voller gewitzter Illustrationen kommt es daher.

cho

Sanssouci im Carl Hanser Verlag, München 2008, 144 S., 12,90 Euro

 

 

Detlef Gürtler: Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft

Die Tagesschau berichtet zwar über die wichtigsten Ereignisse des Tages, aber die Gründe und Folgen eines Ereignisses zu erklären, dafür fehlt die Zeit. Weil Wirtschaft aber so wichtig ist - sie betrifft schließlich wirklich jeden und jede -, hat Detlef Gürtler zusammen mit der Tagesschau-Redaktion ein gut lesbares Wissensbuch geschrieben, und zwar ganz ohne Tabellen und Kurvendiagramme. Die sechs Kapitel (Markt, Geld, Unternehmen, Konjunktur, Arbeit, Weltwirtschaft) bestehen jeweils aus einer längeren Einleitung und dann noch einigen wichtigen Stichworterklärungen. In der Randspalte steht häufig eine dazu passende aktuelle Tagesschaumeldung im Wortlaut. Erfreulich unideologisch das Ganze, so sind auch die Infos über Betriebsräte und Gewerkschaften korrekt. Dagegen sind die Illustrationen von Aljoscha Blau zwar herrlich bunt, aber doch voreingenommen - Frauen kommen da fast nur als Konsumentinnen vor, nie aber als Arbeiterinnen, Bankerinnen oder Firmenbesitzerinnen.

cho

Rowohlt Verlag, Berlin 2008, 280 Seiten, 19,90 Euro


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Quelle: chrismon.de
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[Stand: Dienstag, 31. August 2010 14:16 Uhr]

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