Interview

Kommunikation

03/2010


Hartwig Eckert.

"Vermeiden Sie sprachliche Weichmacher!"

 

"Sprechen Sie noch oder werden Sie schon verstanden?", fragt Kommunikationstrainer Hartwig Eckert in seinem gleichnamigen Buch

 

chrismon: Was läuft in Meetings falsch?
Hartwig Eckert:
Einer redet, viele müssen zuhören. Es ist kreativer und effizienter, wenn alle Teilnehmer mit einer bestimmten Handbewegung signalisieren dürfen, dass ein Gedanke keinen Aufschub duldet. Ein anderer Fehler: Ich darf nach meinem Beitrag in einem Meeting nicht fragen: "Haben Sie mich verstanden?" Das fassen Teilnehmer so auf, als wären sie Deppen, die eh nichts begreifen. Frage ich dagegen, "Welche Fragen oder Kommentare haben Sie?", übernehme ich Verantwortung für meinen Part - kein Teilnehmer muss mit dem Gefühl aus der Sitzung gehen, dass er zu dumm ist; niemand muss Angst haben, eine Frage zu stellen.

Gibt es so etwas wie die optimale Kommunikation?
Ja, und zwar wenn Kommunikation bedeutet, gemeinsam etwas im Gespräch zu erarbeiten - und nicht das Denken einzustellen. Es gibt sprachliche Gehirnschoner, die das Denken unterbinden, wie  die Aussage: "Diese Maßnahme ist alternativlos." Oder wenn Mitarbeiter einwenden: "Das haben wir schon immer so gemacht!" Dann ist es wichtig, den Prozess durch Fragen dynamisch zu ­halten. Fragen sind immer lösungsorientiert, ich erfahre, was passieren muss, damit ich zu einem Ergebnis komme. 

Es gibt Telefon, Videokonferenzen und E-Mail. Nimmt die ­Bedeutung des persönlichen Gesprächs nicht ab?
Vielleicht ist das persönliche Gespräch nicht mehr die häufigste, es ist aber immer noch die wichtigste Form der Kommunikation. Immer wenn es um etwas geht, kommen die Menschen zu­sammen. Kein Wunder, denn wir werden alle in erster Linie nach unserem Sprachverhalten beurteilt, nach Stimmeigenschaften und Sprechmustern.

Sprache ist wichtiger als Aussehen oder die Visitenkarte?
Es ist ein Bonus, attraktiv auszusehen. Aber wenn der strahlende Manager mit piepsiger Stimme nur sprachliche Weichmacher ­benutzt, halten wir ihn für langweilig und inkompetent.

Was meinen Sie mit Weichmachern?
Sie stehen beim Bäcker in der Schlange, ein anderer drängelt sich vor. Wenn Sie dann "Ähm, ich war eigentlich vor Ihnen dran, hihi" sagen, benutzen Sie drei Weichmacher: "ähm", "eigentlich" und das schüchterne Nachlachen. Das bringt nichts. Wer ohne diese Weichmacher einfach nur klar sagt: "Ich war vor Ihnen dran", wird erleben, dass sich niemand mehr vordrängelt.

Fragen: Nils Husmann


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Quelle: chrismon.de
URL: http://www.chrismon.de/2994.php
[Stand: Donnerstag, 11. März 2010 17:19 Uhr]

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