Interview

Gospel

09/2010


Dieter Falk.

"Wer sich den Virus holt, kriegt ihn nicht los - lebenslang"

Dieter Falk (50) ist Pianist, Produzent und Komponist. Er kommt als Chorleiter und Künstler zum Gospelkirchentag nach Karlsruhe.

 

 

chrismon: Die europäische Gospelszene trifft sich vom 10.-12. September in Karlsruhe. Klingt nach "Oh Happy Day(s)".
Dieter Falk:
Diese Liedzeile von Edwin Hawkins trifft's. Wenn viele Menschen zusammen Musik machen, ist das im wahrsten Sinne des Wortes: a happy day, ein glücklicher Tag!

 

"Welch glücklicher Tag, als Jesus mir die Schuld nahm", heißt es weiter. Ziemlich fromm, die Texte. Müssen Gospelsänger religiös sein?
Nein, Gospel soll erst mal Spaß machen. Wir fragen niemanden nach seinem Glauben. Schön wäre es trotzdem, wenn die christliche Botschaft ankommt.

 

Ist der Gospelkirchentag eine Missionsveranstaltung?
Gospel ist nicht Rock and Roll. Die Texte erzählen vom Leben mit Gott. Wie jede gute Musik ist Gospel auch Nahrung für die Seele. Sie wirkt therapeutisch. Macht gute Laune. Wer sich mit dem Virus ansteckt, bekommt ihn nicht mehr los. Wer einmal singt, singt immer.

 

Verstehen die Sänger eigentlich die Botschaft? Die Texte sind ja alle auf Englisch.
Es gibt deutschen Gospel. Ich übe in Karlsruhe mit dem Mass Choir auch ein deutsches Stück ein, aus dem Poporatorium "Die 10 Gebote" von Michael Kunze und mir. Da tut sich was, auch weiterhin. An einem aber lässt sich nichts ändern: Die englische Sprache klingt oft eleganter. Übersetzen Sie mal einen englischen Top-Ten-Hit ins Deutsche! Das möchte doch niemand hören.

 

Warum tun sich Deutsche mit dem Grooven so schwer?
Es ist der Rhythmus. Traditionell kennen die Menschen hier Marsch- und Volksmusik. Sie klatschen auf eins und drei. Bei Gospel hingegen klatscht man auf zwei und vier. Gospel verschiebt auch gern den Rhythmus, da wird Betontes plötzlich unbetont. Damit tun sich viele Deutsche anfangs schwer.

 

Sie saßen vor zwei Jahren in der Castingshow "Popstars" in der Jury. Nun der Gospelkirchentag. Passt das denn?
Klar! Was einen guten Pophit ausmacht, gilt ebenso für einen guten Gospel. Die Melodien sind eingängig und packend. Das hat nichts mehr mit dem steifen Image der Kirche zu tun. Mit Gospel wird die Kirche attraktiver. Sie wirkt cool. Das ist Pop!

 

Sie klingen ja echt begeistert...
Gospel ist nicht nur Musik, Gospel ist Lebensgefühl, auch meins.

 

Fragen: Susanne Faschingbauer


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Quelle: chrismon.de
URL: http://www.chrismon.de/2994.php
[Stand: Dienstag, 31. August 2010 14:08 Uhr]

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